Eizellen-Verwechslung in Bregenz: Neuer Verdacht in derselben Familie

5. Mai 2017, 12:24
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Vaterschaft für Schwester der aus der Verwechslung einer befruchteten Eizelle entstandenen Kristina V. ausgeschlossen

Bregenz – Die Klinik des prominenten Fortpflanzungsmediziners Herbert Zech sieht sich erneut mit einem Verwechslungsvorwurf konfrontiert. Nach Kristina V., deren Eltern definitiv nicht als genetische Erzeuger infrage kommen, hat ein Test nun auch ergeben, dass Kristinas Schwester – ebenfalls durch In-vitro-Fertilisation (IVF) in Bregenz gezeugt – nicht das Kind ihres Vaters sein kann.

Bereits 2014 hatte die heute 26 Jahre alte Kristina V. mittels DNA-Test herausgefunden, dass sie nicht mit ihrer vermeintlichen Mutter Miluska V. und ihrer nur eineinhalb Jahre später zur Welt gekommenen Schwester verwandt ist. Der Vater war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben, Gewissheit bezüglich seiner Vaterschaft zu erlangen schien unmöglich. Vor kurzem erhielt die Familie aber histologisches Material des Vaters von einer Klinik, in der der aus Jugoslawien stammende Mann kurz vor seinem Tod operiert worden war.

Ein in der Gerichtsmedizin St. Gallen vorgenommener DNA-Abgleich schloss, wie erwartet, die Vaterschaft Tomislavs V. für Kristina V. aus. Allerdings stellte der Test auch fest, dass Tomislav V. nicht der genetische Vater von Kristinas Schwester sein kann, die ebenfalls durch eine Behandlungstherapie im IVF-Zentrum von Zech gezeugt wurde. "Daran hat meine Schwester nie gedacht", berichtete Kristina V. am Freitag bei einer Pressekonferenz in Bregenz. Schließlich hatte 2014 ein DNA-Abgleich die genetische Übereinstimmung mit der Mutter bestätigt.

Test bezweifelt

Zu dem neuerlichen Verwechslungsvorwurf habe Zech nicht eindeutig Stellung bezogen. "Vielmehr schien er den Test zu bezweifeln", berichtete Kristina V. "Einen Fehler hat er auf jeden Fall nicht eingeräumt." Angesichts zweier Verwechslungen innerhalb einer Familie stellte sich die junge Schweizerin auch die Frage, "ob es vielleicht möglich ist, dass auch andere Familien betroffen sind". In ihrem Fall hat sie bereits Klage am Landesgericht Feldkirch eingereicht. Detailliertere Fragen über rechtliche Schritte wollte sie am Freitag aber nicht beantworten.

Zech sah sich in einer Stellungnahme am Freitag von Familie V. erpresst. Vor wenigen Wochen sei er im Schreiben des Anwalts davon in Kenntnis gesetzt worden, dass die zweite Tochter des Ehepaars nicht mit ihrem Vater blutsverwandt ist. In demselben Schreiben habe er sich auch mit einer Zahlungsaufforderung in Millionenhöhe konfrontiert gesehen. "Gleichzeitig wurde gedroht, den Vorfall publik zu machen", berichtete Zechs Anwalt Michael Konzett in einer Aussendung.

Die Sachlage will der Mediziner nun von einem Gericht klären lassen. Ihm vorliegende Informationen und "ungewöhnliche Vorkommnisse" ließen Zech den gesamten Sachverhalt "kritisch hinterfragen und machen eine Neubewertung notwendig", argumentiert Konzett. Sollte sich dabei herausstellen, dass bei den Behandlungen in den frühen 1990er-Jahren Fehler unterlaufen sind, die zu dieser Verwechslung geführt haben, stehe Zech voll und ganz zu seiner Verantwortung.

Petrischalen verwechselt

Seit 2014 ist Kristina V. auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern, bisher ohne Erfolg. 2014 hatte Zech angesichts des damaligen DNA-Ergebnisses zugegeben, 1990 einen Fehler gemacht zu haben. Er habe vor dem Einsetzen des Embryos die Petrischalen verwechselt, soll er vor Zeugen erklärt haben. Miluska V. sei deshalb versehentlich die befruchtete Eizelle eines anderen Paares eingesetzt worden. Das Geständnis liege Kristina V. auch schriftlich vor.

Zech sicherte der Familie V. 2014 seine volle Unterstützung zu. "Ich dachte mir damals, dass es einfach wäre, meine leiblichen Eltern zu finden. Ich glaubte, es müsse ja Aufzeichnungen geben", so Kristina V. Schließlich dürfte die Anzahl der Paare überschaubar sein, die im Sommer 1990 die Dienste des IVF-Zentrums in Bregenz in Anspruch nahmen. Dem war aber angeblich nicht so. In einem Schreiben teilte der Fortpflanzungsmediziner mit, dass er mangels einer gesetzlichen Aufbewahrungspflicht über keine diesbezüglichen Daten mehr verfüge.

Im Sommer 2016 ging Kristina V. mit dem Ziel an die Öffentlichkeit, ihre leiblichen Eltern zu finden. Kurz zuvor nannte Zech der Frau die Namen zweier infrage kommender Paare, die sich nach Kontaktaufnahme zu einem DNA-Test bereiterklärten. Das Ergebnis war aber negativ, ebenso die genetischen Abgleiche mit Personen, die sich nach einem Artikel im Magazin "Spiegel" im Juli 2016 gemeldet hatten.

Kristina V. entschloss sich deshalb, erneut an die Medien heranzutreten. "Ich glaube noch immer daran, meine Eltern zu finden." Sie appelliert an Paare, die sich zwischen 1988 und Juli 1990 einer IVF in Bregenz unterzogen haben, sowie an Menschen, die solche Frauen und Männer kennen, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. Für ihre Schwester wünscht sie sich Meldungen von Männern, die von 1988 bis Jänner 1992 im Bregenzer IVF-Zentrum ihren Samen abgegeben haben. (APA, 5.5.2017)

  • Bei der In-vitro-Fertilisation könnte es in Vorarlberg zu zwei Verwechslungen innerhalb einer Familie gekommen sein.
    foto: waltraud grubitzsch/dpa-zentralbild

    Bei der In-vitro-Fertilisation könnte es in Vorarlberg zu zwei Verwechslungen innerhalb einer Familie gekommen sein.

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