Apokalypse jetzt: Sollen wir uns vor Robotern sorgen?

Essay7. Mai 2017, 09:00
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Sie werden unsere Gesellschaft auf den Kopf stellen und unser Dasein verändern. So viel ist sicher. Aber wird die von Robotern gestaltete Zukunft von Konflikten oder von Kooperation geprägt sein?

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine aktuelle Nachricht, eine Forschungsstudie oder ein Geschäftsbericht feststellt, dass die Roboter-Apokalypse unmittelbar bevorsteht. Es ist dies der seltene Fall, dass Akademiker, Unternehmer, Journalisten und Politiker in Angst, Staunen und Erwartung vereint sind. Kein Arbeitsplatz wird sicher sein, wird uns gesagt. Kein Teil der Gesellschaft wird verschont werden. Die Roboter-Apokalypse kommt, und unser gesamtes Dasein – wie wir denken, arbeiten, leben – wird verändert werden.

Wie viel Zeit haben wir noch? Nicht viel, wie es scheint. Es könnten fünf Jahre sein. Oder zehn. Es könnte morgen sein. Oder heute. Sollen wir uns Sorgen machen? Diese Frage entzweit weiter die Meinungen. Wird die von Robotern gestaltete Zukunft von Konflikt oder von Kooperation geprägt sein? Das Urteil steht noch aus.

Unsere Beziehung zu Robotern ist wie ein Fall von Schizophrenie. Einerseits sehen wir intelligente Maschinen als wundersame, zeitsparende Werkzeuge, die unser Leben leichter, schneller und effizienter machen und uns ein Leben in Freizeit und Luxus ermöglichen werden. Andererseits werden diese Roboter als eine gegnerische Kraft dargestellt, die unsere Gesellschaft auf den Kopf stellen wird. Bestenfalls werden die Massen arbeitslos; schlimmstenfalls werden wir aussterben.

Menschen gegen Maschinen

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt uns, dass diese Angst nicht neu ist. Die Furcht – die Fantasie -, dass diese unsere Schöpfungen sich erheben und uns zu Fall bringen werden, kann bis ins antike Griechenland zurückverfolgt werden. Pandora war die erste von den Göttern auf Anordnung von Zeus erschaffene Frau. Sie war mit vielen Gaben ausgestattet – Geist, Rede, Schönheit, Stärke -, doch sie war "verführerisch unaufrichtig" und öffnete bald die Büchse, aus der alles Übel kam.

In der modernen Science-Fiction werden immer wieder verschiedene Varianten dieser Geschichte erzählt. 1818 belebte Mary Shelley die Erzählung mit ihrer Gothic Novel Frankenstein oder Der moderne Prometheus. Heute ist die Idee, dass wohlwollende Erfindungen uns überflüssig machen, der Grundstock fast aller Filme, die mit Robotern zu tun haben, von Matrix (2001) und iRobot (2004) bis Her (2013) und Ex Machina (2015).

Die Roboter-Apokalypse ist allerdings nicht mehr nur ein Thema für Science-Fiction. Sie ist Spitzenmeldung. Sogar eine seriöse Zeitung wie die Financial Times – die sonst gegen Sensationalismus gefeit ist – enthält Artikel mit Sätzen wie: "Roboter holen sich unsere Jobs, und wir müssen uns verteidigen." Der Guardian hat vor kurzem gefragt: "Sind noch irgendwelche menschlichen Tätigkeiten vor Automatisierung geschützt?" Alle sind wie im Rausch.

Medienhysterie ist nichts Neues

Aber diese Medienhysterie ist nichts Neues. Vor einem halben Jahrhundert, im Jahr 1965, hatte Newsweek eine Titelgeschichte über die "Herausforderung der Automatisierung". Damals war Automatisierung nicht viel mehr als ein elektronisches Ding, das sich bewegen konnte, eine Rolltreppe etwa oder ein Lift. Dennoch gab es Gründe, sich Sorgen zu machen. "Geschäftsleute lieben es. Arbeiter fürchten es. Die Regierung ist beunruhigt und untersucht und fragt sich, was man tun kann", schrieb der Reporter. In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Wirtschaft tatsächlich sehr verändert – doch was wir erlebten, war eine beispiellose Wachstumsperiode.

Ungeachtet solcher historischer Präzedenzfälle insistieren heutige Kommentatoren, dass es diesmal wirklich – wirklich! – anders ist. Dies ist nicht die neueste Verkörperung eines immer wiederkehrenden Albtraums. Dies ist keine Probeaufführung. Das ist die wirkliche Wirklichkeit. Ja, stimmt schon, die Massen, die nicht mehr in der Landwirtschaft arbeiten konnten, fanden Beschäftigung in Fabriken; ja, es gab die Ausweitung des Dienstleistungssektors. Aber die kommende Roboter-Apokalypse wird nicht so einfach sein. Die Zukunft ist da, und sie ist beängstigend.

Zweierlei Roboter

Wenn wir von Robotern sprechen, meinen wir normalerweise zweierlei. Es gibt die physischen Roboter: die Maschinen, die bei der Automobilproduktion helfen, die Bänder, die unsere Koffer befördern, die Bankomaten oder Kassen in Banken und Supermärkten. Und dann gibt es die virtuellen Roboter: die unsichtbaren Algorithmen, die es Maschinen ermöglichen, Aufgaben zu erledigen, ob es um Google-Resultate geht, um selbstfahrende Autos – die von physischen Robotern gebaut wurden – oder darum, uns ein Buch zu empfehlen.

Beide sind "Bedrohungen" der traditionellen Formen von Arbeit, und bestimmte Jobs sind schon aus der Welt wegautomatisiert worden. In der amerikanischen Stahlindustrie etwa haben zwischen 1962 und 2005 400.000 Menschen ihre Arbeit verloren, das sind 75 Prozent der Beschäftigten in dieser Branche. Doch der Produktionsumfang ist nicht kleiner geworden.

Solche Zahlen dienen als Beweis, dass Automatisierung und die Interessen der Arbeiter einander widersprechen. Als ob Roboter schuld daran wären, dass Menschen verdrängt werden, als ob sie die Jobs dank ihrer technischen Brillanz selbst automatisieren würden, während die Erfinder, Manager und Generaldirektoren nur hilflos zuschauen könnten. Doch man vergisst angesichts der Aufregung über künstliche Intelligenz (AI) und Maschinenlernen leicht, dass diese Maschinen ja gerade deswegen gemacht werden, damit Arbeiter ersetzt werden können. Und oft hat das, was sie so wirksam macht, nichts mit technologischer Genialität zu tun. Roboter mögen beeindruckend schnell, präzise und beständig sein, aber sie sind auch billig und beschweren sich nicht. Mit anderen Worten, für Arbeitgeber sind sie ideale Arbeitnehmer.

Roboter sind "immer höflich"

In einem Interview im vergangenen Jahr hat Andrew Franklin Puzder, einer der erfolgreichsten CEOs (CKE Restaurants) Amerikas, seine Gründe verraten, warum er ein vollautomatisiertes Restaurant eröffnen wollte. Er wollte keine Menschen als Arbeitnehmer, sagte er, weil sie "teuer" seien. Roboter hingegen seien "immer höflich", würden mehr verkaufen, sie "machen nie Urlaub, kommen nie zu spät, haben keine Unfälle", und es gebe keine gerichtsanhängigen Beschwerden wegen Alter, Geschlecht oder Rasse. Bevor seine Ambitionen vom US-Senat vereitelt wurden, war "Andy" Puzder der Kandidat von Präsident Trump für den Posten des Arbeitsministers.

In diesem Zusammenhang ist es nicht so unglaublich, dass Roboter Arbeiter ersetzen. Tatsächlich sagt das Tempo, in dem dies passiert, mehr aus über die Banalität, mit der Menschen bei ihrer Arbeit konfrontiert sind, als über unser hochgeschätztes technologisches Können. All dieses Gerede über Maschinen, die endlich "so wie Menschen denken können", verdeckt nur, wie sehr wir bereits Maschinen als den Standard in der Arbeitswelt festgeschrieben haben. Wieder haben wir hier eine schizophrene Denkweise: Wir wollen, dass Roboter wie Menschen denken und dass Menschen wie Maschinen arbeiten.

Universelles Grundeinkommen

Dieser Vorstellung zufolge werden Menschen und Maschinen in einem Rennen nach unten gegeneinander ausgespielt. Unfähig, da mitzuhalten, werden Menschen überflüssig gemacht, darauf angewiesen, sich in dieser von Robotern bestimmten Welt durch immer prekärere Arbeitsverhältnisse anzupassen. Das geschieht angeblich zugunsten von Konsumenten, die mit nur einem Fingerschnippen Zugang zu einem Füllhorn an Dienstleistungen bekommen. Tatsächlich aber ernten – wie immer – die Eigentümer der automatisierten Systeme am meisten durch die Automatisierung: nämlich den Profit, ohne sich dabei um Arbeiter kümmern zu müssen. Das Problem der schlechten Arbeitsbedingungen wird nicht dadurch gelöst, dass man sie verbessert, sondern indem man die Menschen entfernt.

Die Befürchtungen, dass Menschen darum kämpfen müssen, in dieser Technotopia überleben zu können, werden durch die neueste Lösung aus Silicon Valley behoben. Ein universelles Grundeinkommen – eine alte Idee, die gerade eine Verlängerung genießt – wird anscheinend dafür sorgen, dass sie die nötigen Mittel zum Überleben haben.

Dieses Konzept wird weltweit immer populärer, doch die enthusiastische Unterstützung durch Silicon Valley sollte uns misstrauisch machen. Wie der Wirtschaftswissenschafter Thomas Piketty geschrieben hat, drücke ein universelles Grundeinkommen "ein Konzept von sozialer Gerechtigkeit auf die billige Art aus". Es befasst sich nicht mit den wirklichen Themen, um die es bei der Automatisierung geht, etwa damit, wie Arbeit eine sinnvolle Beschäftigung für Menschen sein kann – als Quelle nicht nur von Einkommen, sondern auch von Identität und Würde -, und es lässt die strukturellen Ungleichheiten in der Gesellschaft im Großen und Ganzen unberührt. In der Praxis mag es einfach den Druck von den Firmen nehmen, ihren Arbeitnehmern einen fairen Lohn zu zahlen – mit anderen Worten: eine Regierungssubvention für Ausbeutung. Wie Piketty schreibt: "Wenn wir in einer fairen und gerechten Welt leben wollen, müssen wir ehrgeizigere Ziele formulieren."

Radikalere Ideen sind nötig

Das gilt auch für Automatisierung: Wir müssen uns radikalere Ideen für die Zukunft überlegen als einfach den Ersatz von Arbeitern durch Roboter. Für Silicon Valley ist die Zukunft eine Welt, in der Roboter unsere Arbeit und die täglichen Aufgaben verrichten – sie fahren die Autos, liefern die Pizza, bestellen unsere Einkäufe -, während einige wenige Menschen (die ausnahmslos in Silicon Valley zu Hause sind) entscheiden, wohin die Gesellschaft geht; und der Rest bleibt zu Hause, stopft Löcher im System und macht ... ja, was eigentlich? Wahrscheinlich sieht er fern, wenn man von den gegenwärtigen Gewohnheiten von Arbeitslosen ausgehen kann. Doch das interessiert Silicon Valley nicht weiter. Dessen Macher wollen einfach alle denkbaren Tätigkeiten rationalisieren, ohne je zu fragen, warum.

Wenn Sie eine klare Vorstellung von dieser Zukunft haben wollen, dann rate ich Ihnen, sich Mark Zuckerbergs neuestes Promo-Video seines "cutting-edge" AI-Systems Jarvis anzuschauen. Du wachst morgens auf, und Jarvis öffnete die Fenstervorhänge für dich, sagt dir, ob dein Kleines wach ist, wenn ja, bringt er ihm Chinesisch bei, hilft dir beim Anziehen und macht dir Frühstück (wobei nicht ganz klar ist, wie). Er sagt dir sogar, welcher Tag heute ist. "Es ist Samstag, daher hast du nur fünf Meetings/Besprechungen", informiert Jarvis Mr. Zuckerberg. Man muss ein wenig Mitgefühl mit ihm haben. Sogar in dieser Welt, in der alles für ihn erledigt wird, kann Zuckerberg sein Wochenende nicht freihalten. Ist das wirklich das Beste, was die Zukunft uns bieten kann?

Bessere Zukünfte

"Wir sind von einer neuen Krankheit befallen, von der manche Leser noch nicht den Namen gehört haben mögen, über die sie aber in den kommenden Jahren viel hören werden – nämlich technologische Arbeitslosigkeit." Das schrieb der Wirtschaftswissenschafter John Maynard Keynes 1930.

Keynes schrieb das inmitten der Ruinen der Weltwirtschaftskrise, in einer Gesellschaft, "die gerade jetzt an einem schweren Anfall von wirtschaftlichem Pessimismus leidet". Für ihn aber war diese "neue Krankheit" keine "Katastrophe" – sie war ein Grund für Optimismus. Technologische Arbeitslosigkeit sei ein vorübergehendes Leid, meinte er, eine flüchtige "Phase von Fehlanpassung"; sie würde durch erhöhte Effizienz verursacht, die "dem Tempo davonläuft, in dem wir neue Anwendungen für Arbeit finden".

Nach einer kurzen Periode von Turbulenzen würde die Gesellschaft an einem "Ziel ökonomischen Glücks" ankommen: bei einem enorm erhöhten Lebensstandard und signifikant weniger Arbeitsstunden. "Drei-Stunden-Tage oder eine Fünfzehn-Stunden-Woche" würde uns erwarten, prophezeite er. Keynes war mit seinem Optimismus nicht alleine. Dieser wurde von vielen anderen Intellektuellen geteilt, von Bertrand Russell etwa, und sogar von Oscar Wilde ein paar Jahrzehnte zuvor. Und warum auch nicht? Wenn Maschinen Arbeiten so gut verrichten können würden wie Menschen, wenn nicht besser, dann war es doch vernünftig anzunehmen, dass wir imstande sein würden, weniger zu arbeiten. "Daher", so prophezeite Keynes, "werden Menschen zum ersten Mal seit ihrer Erschaffung mit ihrem wirklichen, ihrem andauernden Problem konfrontiert sein – wie sie ihre Freiheit von drängenden ökonomischen Sorgen nutzen sollen, wie sie die Freizeit verbringen sollen, die Wissenschaft und Zinseszinsen ihnen bieten werden."

Optimismus von Streben abgelöst

Heute scheint dieses "andauernde Problem" so weit entfernt wie eh und je. Die Bürger des reichen Westens sind im Schnitt vier- oder fünfmal besser dran als in den 1930er-Jahren – wie Keynes prophezeit hat -, aber unsere durchschnittlichen Arbeitszeiten haben sich nur um ein Fünftel reduziert. Gleichzeitig sind Vorstellungen von einem guten Leben aus der öffentlichen Diskussion so gut wie verschwunden: Unser utopischer Horizont ist auf die Größe eines Konsumenten-Ichs geschrumpft. Der Glaube, dass technische Innovation bessere soziale Beziehungen mit sich bringen würde, zeigte sich im Optimismus von Keynes und in Wildes The Soul of Man under Socialism (1891; deutsch: Die Seele des Menschen unter dem Sozialismus, 1904). Er wurde von dem endlosen Streben nach Automatisierung, Geschwindigkeit und Effizienz abgelöst. Diese Werte stellen sich heute als Ziele um ihrer selbst willen dar, als göttliche Doktrin des Fortschritts. Aber soweit es um Vorstellungen von Kooperation zwischen Menschen und Maschinen geht, sind sie sehr eng. Wir sollten uns mehr vorstellen können.

Echter Optimismus, die Zukunft betreffend, wird mehr als nur Roboter, Automatisierung und Streamlining benötigen. Die Geschwindigkeit technischer Innovation wird oft mit Erfindungsreichtum gleichgesetzt, aber schneller technologischer Fortschritt kann konservativ sein und die bestehenden sozialen Verhältnisse erhalten oder stärken. Er unterstützt eine Welt, in der sich alles ändert, solange alles gleichbleibt.

Erfindungsreichtum

Für radikalen Wandel brauchen wir radikales Denken. Im besten Fall sollte Erfindungsreichtum infrage stellen, wie wir Dinge mit dem sogenannten gesunden Menschenverstand angehen. Es sollte die Annahmen hinterfragen, die unseren politischen Diskurs durchdringen, und neue Möglichkeiten für die Gegenwart schaffen. Um Worte von Walter Benjamin zu verwenden: Es geht darum, eine Welt anzustreben, in der "die Dinge von der Fron frei sind, nützlich zu sein". Mit den richtigen politischen Strategien und Prioritäten gibt es keinen Grund, warum die Roboter-Revolution nicht so einzigartige menschliche Qualitäten wie Kreativität, Ideenfindung, Kommunikation und Empathie freisetzen kann. Wir können eine Welt mit weniger Mühe schaffen und mit erfreulicheren, kreativeren Jobs, nicht bloß den nicht erfüllenden, prekären Arbeitsbedingungen, die derzeit im Zunehmen begriffen sind.

Roboterarbeit wird immer im Zentrum unserer Vorstellungen von der Zukunft sein. Wenn wir die Augen schließen und uns die Zukunft vorstellen, werden die meisten von uns einen Apparat oder eine Maschine sehen, die etwas für uns macht. Wir bauen unsere Gegenwart und träumen von unserer Zukunft mit und durch Technologien. Die Roboter-Apokalypse mag unmittelbar bevorstehen, doch Roboter haben unsere Vorstellungen schon vor langem erobert.

Wir überlassen jedoch das Engineering den Ingenieuren auf eigene Gefahr. Meiner Ansicht nach ist die Homogenität der Silicon-Valley-Denker eine gefährlichere Bedrohung der Zukunft als jede gedachte Roboter-Apokalypse. Das schmale Segment, aus dem sich Ingenieure typischerweise rekrutieren, zeigt sich in der engen Vision, die ihre Erfindungen verkörpern. Ich habe oft die von Männern dominierte Kultur des Ingenieurwesens kommentiert, die durch die Werte der Meisterschaft, des Individualismus und der Nichtsinnlichkeit charakterisiert ist. Obwohl über die Jahre dem Thema der Diversität vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt worden ist, hat es da nur wenige Fortschritte gegeben.

Wer ist dieses "Wir"

Einer kürzlichen Analyse von 500 Tech-Start-ups mit weniger als 100 Mitarbeitern in der San Francisco Bay Area zufolge sind nur 23 Prozent dieser Angestellten weiblich. In den zehn großen Tech-Unternehmen liegen die Zahlen näher bei 30 Prozent, doch in den technischen Berufen sind Frauen mit nur 18,3 Prozent vertreten.

Das ist kein essenzialistisches Argument über angeborene weibliche Werte. Es ist vielmehr Teil eines allgemeineren Vorschlags, wie der Prozess von technologischer Forschung und Entwicklung für ein breiteres Spektrum sozialer Gruppen und Interessen zugänglich werden kann. Roboter werden unsere Zukunft nicht entscheiden – das werden wir. Und daher sollten wir uns gut überlegen, wer dieses "Wir" ist, und wir sollten gewährleisten, dass es so inkludierend, demokratisch und verschiedenartig wie möglich ist.

Wir sollten alle über die Zukunft, die wir haben wollen, mitreden können. Die gedeihlichste Zukunft ist eine, in der Maschinen und Menschen zusammenarbeiten. Jeder von uns, der kreativ mit Robotern zusammenarbeitet, wird – individuell und kollektiv – immer etwas Einzigartiges beizutragen haben, egal wie viele Roboter es geben wird. Die Herausforderung liegt darin, eine Welt zu schaffen, in der wir das können. (Judith Wajcman, Übersetzung: Michael Freund, 7.5.2017)

Judith Wajcman ist Professorin an der London School of Economics und leitet das Institut für Soziologie. Sie wird am 16. August 2017 das Europäische Forum Alpbach zum Thema "Konflikt & Kooperation" eröffnen.

www.alpbach.org

London School of Economics

  • Intelligente Köpfe: Werden diese Roboter unser Leben leichter und effizienter – oder in Zukunft nur die Massen arbeitslos machen?
    foto: ap

    Intelligente Köpfe: Werden diese Roboter unser Leben leichter und effizienter – oder in Zukunft nur die Massen arbeitslos machen?

  • Schizophrene Denkweise: Wir wollen, dass Roboter wie Menschen denken und dass Menschen wie Maschinen arbeiten.
    foto: apa/afp

    Schizophrene Denkweise: Wir wollen, dass Roboter wie Menschen denken und dass Menschen wie Maschinen arbeiten.

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    Judith Wajcman

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