Marcel Reich-Ranicki: Die Klänge eines Kritikers

9. Mai 2017, 16:27
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Martin Nusch lässt den Großkritiker als grellen Pausenclown erscheinen

Nun, das ist ja einmal eine nette Idee. An Marcel Reich-Ranicki (1921-2013) zu erinnern lohnt sich. Eine Riege älterer Buchhändlerinnen vermisst ihn und sein Literarisches Quartett schmerzlich. Denn Bücher, ob von ihm verrissen oder gelobt, verkauften sich einst glänzend. Martin Nusch umreißt Leben und vor allem das TV-Wirken des Literaturkritikers, der zum Inbegriff dieser Profession wurde, mittels ausgewählter O-Töne.

Dass Reich-Ranicki ein eindringlicher Schreiber war, wenn auch kein großer, eleganter Stilist, wird an keiner Stelle deutlich. Auch nicht, dass er Klassiker verehrte. Am Ende erscheint der durchgehend debil als "Kritikerpapst" bezeichnete Großkritiker nur noch als greller Pausenclown mit Fatum für eine an echter, guter Literatur desinteressierte Öffentlichkeit.

Die letzten drei Tracks kann man auslassen. Wieso Nusch und der hier endgültig ins Selbstverliebte kippende Sprecher Max (Dieter) Moor noch einen Schnelldurchlauf dessen bieten, was man zuvor gehört hat, bleibt eine offene Frage. (Alexander Kluy, 6.5.2017)

Martin Nusch, "'Ganzzz und garrr missraten!' Die besten O-Töne von Marcel Reich-Ranicki". € 17,99 / 49 min. Audio-Verlag, Berlin 2017

  • Martin Nusch, "'Ganzzz und garrr missraten!' Die besten O-Töne von Marcel Reich-Ranicki". € 17,99 / 49 min. Audio-Verlag, Berlin 2017
    foto: audio-verlag

    Martin Nusch, "'Ganzzz und garrr missraten!' Die besten O-Töne von Marcel Reich-Ranicki". € 17,99 / 49 min. Audio-Verlag, Berlin 2017

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