Hepatitis C: Leberentzündung ausradieren

5. Mai 2017, 09:43
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Hepatitis C ist durch eine neue Therapie in 95 Prozent aller Fälle heilbar geworden – über die Therapiekosten wird diskutiert

Weltweit leiden rund 70 Millionen Menschen an chronischer Hepatitis C mit Zirrhose, Leberversagen und Leberkarzinomen als mögliche Folge. Erstmals wäre es möglich, eine solche Viruserkrankung weltweit durch die Behandlung und Heilung aller Betroffenen zu beseitigen, sagten Experten in Wien. Die WHO hat sich das bis zum Jahr 2030 zum Ziel gesetzt.

"Mit den neuen Medikamenten und einer Therapiedauer von acht bis 24 Wochen erreichen wir bei der Hepatitis C von Patienten noch ohne Leberzirrhose eine fast hundertprozentige Heilungsrate", sagte der Wiener Hepatologe und Pionier auf diesem Gebiet, Peter Ferenci.

Seit wenigen Jahren stehen für die Behandlung Arzneimittel in Tablettenform zur Verfügung. Bei den Wirkstoffen handelt es sich um Protease-, Polymerase- oder sogenannte NS5A-Replikationskomplex-Inhibitoren, die in Kombination verabreicht werden. Während ehemals mit einer Kombinationstherapie des Wirkstoffes Ribavirin und injizierbarem Interferon alpha mit einer Therapiedauer von bis zu 72 Wochen die Heilungsraten bei höchstens 70 Prozent lagen und die Patienten wegen der starken Nebenwirkungen zumeist schon wegen der Therapie ein Jahr im Krankenstand waren, hat sich die Situation dramatisch gewandelt.

Hohe Erfolgsraten

Bei einer Hepatitis C Virusinfektion mit dem Virusgenotyp 1, welcher zwei Drittel der Erkrankungen in Österreich ausmacht, beträgt die Erfolgsrate zwischen 95 bis hundert Prozent. Ähnliche hohe Erfolgsraten gibt es bei Hepatitis C durch die Genotypen 2 und 4. Schwieriger ist die Behandlung – derzeit noch – bei einer chronischen Infektion mit dem Virusgenotyp 3 (Heilungsrate: 80 bis 90 Prozent).

Die anfänglichen Therapiekosten von bis zu 80.000 Euro mit dem ersten derartigen Medikament haben sich in Österreich mittlerweile auf 20.000 bis 30.000 Euro reduziert. "Das ganze ist letztlich ein Basargeschäft", sagte Ferenci bei dem vom Pharmakonzern Gilead organisierten Gespräch zur Preisgestaltung. Das Unternehmen hat zum Beispiel in Indien aber auch sechs Lizenzen zur Herstellung von Generika vergeben, ähnliches geschah in Ägypten. In Ägypten hat man es mit Generika bereits geschafft, die Therapiekosten auf unter 200 US-Dollar zu drücken, erklärte vor kurzem der Chef des WHO-Aids- und Hepatitis-Programms, Gottfried Hirnschall.

Eine möglichst frühzeitige Diagnose einer chronischen Hepatitis C-Infektion und leistbare Medikamente auf diesem Gebiet wären der Schlüssel für die Beseitigung der Krankheit weltweit. In Österreich können derzeit alle Patienten mit Hepatitis C vom Genotyp 1 und 4 mit den neuen Arzneimitteln auf Kassenkosten behandelt werden. Bei Vorliegen einer Hepatitis C vom Genotyp 2 oder 3 erfolgt die Erstattung ab einem Leber-Vernarbungsgrad des Stadiums II (Fibrose).

An der Kostenschraube drehen

Bei den Behandlungsraten liege Österreich in vergleichbaren Ländern nach Frankreich an zweiter Stelle, betonte Ferenci. Doch die noch bestehende Einschränkung bei der Erstattung sei eigenartig: "In der Zeit, als wir Heilungsraten (mit Interferon/Ribavirin) von 50 Prozent hatten, gab es keine Restriktionen. Als wir 70 Prozent der Patienten heilen konnten, gab es keine Restriktionen. Jetzt, wo wir alle heilen können, gibt es eine Restriktion."

Trotzdem sei man mit der gegenwärtigen Situation in Österreich gut unterwegs, meinte Hepatologe Michael Gschwantler vom Wiener Wilhelminenspital. Mit der Suchthilfe Wien hat er ein Hepatitis C-Behandlungsprogramm für Opiatabhängige organisiert. Etwa 30 Prozent dieser Drogenkranken dürften Hepatitis C-infiziert sein. Die Krankheit wird in den allermeisten Fällen durch Blut übertragen. Bei einer ausgewählten Gruppe von 72 von bisher insgesamt 104 Patienten, welche zugleich mit ihrer Opiat-Substitutionstherapie täglich unter Kontrolle auch die Medikamente gegen die Viruserkrankung erhielten, wurde eine Ausheilungsrate von 98,6 Prozent erreicht. (APA, 5.5.2017)

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