Erste Group reduziert Gewinn und hält an Zielen fest

5. Mai 2017, 09:06
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Wegen regulatorischer Vorgaben, Investitionen und höheren Risikokosten werden die Kosten für die Erste Group voraussichtlich steigen

Wien – Die Erste Group ist mit einem leichten Gewinnrückgang in das neue Geschäftsjahr gestartet. Unter dem Strich schrumpfte der Gewinn im ersten Quartal um 4,6 Prozent auf 262,2 Millionen Euro, wie die Bank am Freitag mitteilte. Der Zinsüberschuss sei trotz eines Kreditwachstums aufgrund eines geringeren Zinsertrags auf Veranlagungen in Staatsanleihen um 3,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro gesunken. Das Provisionsergebnis kletterte um 3,3 Prozent auf 457,7 Millionen Euro.

An den Zielen hält die Bank fest. Für die Eigenkapitalverzinsung (ROTE) werde weiterhin eine Zielgröße von mehr als zehn Prozent erwartet. Die Kosten sieht das Institut um ein bis zwei Prozent steigen, was auf regulatorische Vorgaben, Investitionen in die Digitalisierung sowie auf einen Anstieg der Risikokosten zurückzuführen sei.

Alleine für IT seien im Quartal 91,6 Millionen Euro ausgegeben worden. Das sei einerseits für neue digitale Produkte nötig, andererseits auch für die Erfüllung zusätzlicher Berichtspflichten, schreibt Unternehmenschef Andreas Treichl im Geschäftsbericht. Der Verhältnis der Kosten zu den Erträgen (Cost-Income-Ratio) verschlechterte sich im Quartal leicht von 61,9 auf 63 Prozent.

Sonderabgaben im vierten Quartal

"Regulatorische Kosten" bleiben zwar "ein wichtiges Thema", sind aber im Vergleich zum Vorjahr spürbar gesunken. Für Banken- und Finanztransaktionssteuern verbuchte die Erste Group 35,8 Millionen Euro, um 43 Prozent weniger als im Vorjahr (62,8 Millionen Euro). "Der Rückgang war in erster Linie auf die – nach einer erheblichen einmaligen Sonderabgabe im vierten Quartal 2016 – deutlich niedrigere österreichische Bankensteuer von 5,6 Millionen Euro (29,5 Millionen Euro) zurückzuführen", teilte die Bank mit. Die ungarischen Bankenabgaben sanken von 26,9 auf 23,6 Millionen Euro, in der Slowakei stiegen sie von 6,2 auf 6,6 Millionen Euro.

Für 2017 geht die Erste Group von gutem Wirtschaftswachstum in Österreich wie auch in Osteuropa aus. Ziel ist eine Eigenkapitalverzinsung (ROTE) von zumindest 10 Prozent, wobei die Bank "bestenfalls stabile Einnahmen (unter Zugrundelegung eines Nettokreditwachstums von über 5 Prozent)" und "einen Kostenanstieg von 1 bis 2 Prozent im Zusammenhang mit der Umsetzung regulatorischer Vorgaben und Digitalisierung" erwartet. Die Risikokosten dürften steigen, dafür sollte sich die niedrigere Bankensteuer in Österreich positiv auswirken.

Einlagen gestiegen

Trotz Niedrigzinsen sind die Einlagen im ersten Quartal um 4,9 Prozent gestiegen. Viele Sparer in Osteuropa stünden "alternativen Anlageformen weiter sehr reserviert gegenüber und nehmen zwangsläufig die beträchtlichen Nachteile des Zinsniveaus in Kauf", schreibt Treichl. Auch in Österreich stiegen die Einlagen. Im Gegenzug hat die Erste Group um 1,8 Prozent mehr Kredite vergeben. Unverändert 4,9 Prozent der Kredite wurden nicht bedient (NPL).

Im aktuellen Niedrigzinsumfeld ist der Zinsüberschuss, die größte Einnahmenquelle der Gruppe "unter Druck" und ging im ersten Quartal von 1,09 auf 1,05 Milliarden Euro zurück. Besser verdiente die Bank dafür mit Provisionen – hier stieg der Überschuss von 443,1 auf 457,7. Da auch die Betriebsaufwendungen um zehn Millionen zulegten, ging das Betriebsergebnis von 620 auf 599 Millionen Euro zurück.

Das harte Eigenkapital (CET1, Basel aktuell) fiel leicht auf 13,4 Milliarden Euro, die Kernkapitalquote ging damit auf 13 Prozent (13,4 Prozent) zurück. Die Bilanzsumme stieg um sieben Prozent auf 222,8 Milliarden Euro. (APA, Reuters, 5.5.2017)

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