Journalismustage: "Generation Haram" ist Story des Jahres

    4. Mai 2017, 21:03
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    Sozialreportage über radikale Tendenzen in Wiener muslimischen Communitys von Melisa Erkurt im "Biber" erhielt Auszeichnung

    Wien – Die Sozialreportage "Generation Haram" der "Biber"-Journalistin Melisa Erkurt wurde bei den vierten Österreichischen Journalismustagen als Story des Jahres ausgezeichnet. Der Artikel behandelt radikale Tendenzen unter muslimischen Jugendlichen in Wien und "weckt Emotionen, ohne alarmistisch zu sein", würdigte Jurorin Sibylle Hamann den Text.

    Autorin Erkurt gestand, dass sie nach der Veröffentlichung des Artikels mit einem Shitstorm aus der muslimischen Community gerechnet habe – tatsächlich wurde sie dafür gelobt. Erkurt führt das darauf zurück, dass sie selbst Muslima ist, das sei "nicht fair". Sie wolle sich dafür einsetzen, dass auch nichtmuslimische Journalisten bei Kritik am Islam nicht sofort als islamophob abgestempelt werden.

    Ungereiht auf die Plätze zwei bis fünf wählte die Jury:

    • "Die einzige, die überlebt hat" von Marlene Groihofer (ausgestrahlt auf Radio Klassik Stephansdom) über "Frau Gertrude", deren politischer Appell im Präsidentschaftswahlkampf 2016 Wellen geschlagen hat.
    • "Die iranische Verwandlung" von Solmaz Khorsand (erschienen im "Datum") über das Leben als westliche Frau im Iran.
    • "Im Feuer der Vergessenen" von Christoph Lehermayr (erschienen in "News") über die Stadt Youngstown im US-Bundesstaat Ohio.
    • "Wenn Wien Aleppo wäre" von Anna Giulia Fink, Petra Ramsauer, Martin Staudinger und Robert Treichler ("Profil").

    Ausgewählt wurden die Sieger von der Jury bestehend aus: Elisabeth Auer (ATV), Rainer Fleckl (Ex-"News", künftig "Quo Vadis Veritas"), Sibylle Hamann (Freie Journalistin), Hans Kirchmeyer ("kobuk.at"), Herbert Lackner ("Profil"), Claudia Reiterer (ORF), Georg Renner ("NZZ.at"), Thomas Seifert ("Wiener Zeitung"), Barbara Tóth ("Falter"), Cornelia Vospernik (Ö1), Gabi Waldner (Ö1), Ulrike Weiser ("Die Presse").

    Bernstein gegen künstlich erzeugte Aufregung

    Zuvor mahnte Carl Bernstein, legendärer Mitaufdecker des Watergate-Skandals, in seiner Keynote-Speech Journalisten davor, künstlich erzeugte Aufregung zu Geschichten zu machen. Nicht zuletzt Donald Trump hätte von diesem Phänomen im Wahlkampf profitiert. Wie schon bei seiner Rede beim White House Correspondents' Dinner ging er sowohl mit dem amtierenden US-Präsidenten als auch mit den Kollegen im Journalismus hart ins Gericht. (sefe, 4.5.2017)

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