Wie Langzeitarbeitslose zu Hilfspflegern werden sollen

4. Mai 2017, 14:05
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Sozialminister Stöger will durch ein neues Angebot pflegende Angehörige entlasten

Wien – Rund 380.000 Menschen werden in Österreich zu Hause gepflegt. Für die Angehörigen – in aller Regel sind es Frauen – ist das häufig eine enorme Belastung. In einer Umfrage des Kompetenzzentrums "Qualitätssicherung in der häuslichen Pflege" gaben 44 Prozent der Betroffenen an, sich in ihrem Leben einschränken und auf Dinge verzichten zu müssen.

Für diese Familienangehörigen wollen Sozialministerium und Hilfsorganisationen ein neues Angebot schaffen. Im Rahmen der geplanten "Aktion 20.000" sollen über 50-jährige Langzeitarbeitslose eine kurze Ausbildung bekommen, um dann für Hilfsleistungen im täglichen Leben gebucht werden zu können, wie Sozialminister Alois Stöger (SPÖ), der Generalsekretär des Roten Kreuzes, Werner Kerschbaum, und Birgit Meinhard-Schiebel von der Interessengemeinschaft Pflege am Donnerstag erklärten.

Fünfwöchige Einschulung

Konkret soll es zu Beginn eine vom AMS finanzierte fünfwöchige Einschulung im Rahmen der Ausbildung zur Heimhilfe geben. Stöger geht davon aus, dass in einer ersten Phase 200 bis 400 Personen infrage kommen, in den kommenden Jahren könnten es dann bis zu 2.000 sein, so seine vorsichtige Schätzung.

Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz, die Diakonie und die Volkshilfe sollen diese Arbeitskräfte dann nach Kollektivvertrag anstellen und vermitteln. Solange die Ausbildung zur Heimhilfe nicht abgeschlossen ist, sollen die Arbeitskräfte in erster Linie nicht für pflegerische Tätigkeiten im engeren Sinn eingesetzt werden. Gedacht sei an die Unterstützung bei Besorgungen, bei Arztbesuchen, bei Alltagsaktivitäten und Ausflügen oder auch zur Förderung von sozialen Kontakten, wie Stöger erklärte.

Sechs bis zehn Euro pro Stunde

Sofern die Ausbildung schon fortgeschritten ist, sei aber die Unterstützung bei Tätigkeiten im Haushalt, bei der Einnahme von Mahlzeiten und bei hygienischen Maßnahmen möglich.

Für die Familien soll das Angebot kostengünstig sein. Gebucht werden müssen mindestens vier Stunden (à zehn Euro), bei einem höheren Bedarf sinkt der Preis. Maximal sind zehn Stunden pro Tag möglich, dann kostet eine Stunde nur mehr sechs Euro.

Konkurrenz vermeiden

Die Hilfsorganisationen hätten keine Kosten zu tragen. Sie bekommen die Lohn- und Lohnnebenkosten über die "Aktion 20.000" erstattet (20.000 geförderte Arbeitsplätze bei Gemeinden, gemeinnützigen Trägervereinen und Unternehmen sollen so geschaffen werden). Ein Beschluss der Regierung steht zwar noch aus, Stöger rechnet aber mit einer Einigung in den kommenden Wochen. Wie berichtet möchte die SPÖ über die Aktion auch 1.000 neue Stellen im Bundesdienst finanzieren, was die ÖVP ablehnt.

Die Unterstützung von pflegenden Angehörigen wäre für Stöger jedenfalls ein "Lückenschluss" zwischen den bereits existierenden mobilen Diensten und der 24-Stunden-Pflege. "Konkurrenz" zur bestehenden Heimhilfe wolle man nicht schaffen, so Stöger. Kerschbaum geht allerdings schon davon aus, dass in manchen Fällen durch das neue Angebot keine 24-Stunden-Betreuung mehr nötig sein wird. (go, 4.5.2017)

  • Sozialminister Alois Stöger rechnet damit, dass sich in einer ersten Phase 200 bis 400 Personen für die neuen Pflegetätigkeiten interessieren könnten.
    foto: apa

    Sozialminister Alois Stöger rechnet damit, dass sich in einer ersten Phase 200 bis 400 Personen für die neuen Pflegetätigkeiten interessieren könnten.

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