Ausstellung in Graz: Tierischer Sex im Museum

4. Mai 2017, 15:08
31 Postings

Das Universalmuseum Joanneum zeigt eine stark erweiterte Schau des Liechtensteinischen Landesmuseums über das facetten- und einfallsreiche Paarungsverhalten der Tiere

"Biologen verstehen unter Sexualverhalten etwas anderes als andere Menschen", weiß Ursula Stockinger, Kuratorin der Ausstellung mit dem gar populärwissenschaftlichen Titel "Sexperten – Flotte Bienen, tolle Hechte" im Naturkundemuseum im Grazer Joanneumsviertel, "sie verstehen darunter den Austausch von Erbgut." Gut, das klingt wenig sexy, hat aber in der Natur eine solche Fülle von Spielarten, dass der Laie staunt.

Die Ausstellung, die Donnerstagabend eröffnet wird, haben die Grazer vom Liechtensteinischen Landesmuseum übernommen, aber noch um ein Vielfaches vergrößert, weil man im Grazer Museum viel mehr Platz, Tierpräparate und einiges mehr zur Verfügung hatte. Die verschiedenen Räume führen durch verschiedene Kapitel, die bei fast allen Paarungen eine Rolle spielen. Die Strategien im Sexualverhalten sind in 35 Themenbereiche in sechs Räumen aufgeteilt.

Partnerbörse

Ziemlich am Beginn steht der Logik folgend die Frage: Wie findet man sich? Da gibt es Antworten, die den Menschen zumindest nicht ganz fremd sind: durch Gesänge (natürlich Vögel), Brunftschreie (etwa Hirsche), Düfte (etwa Schmetterlinge); aber auch optische Reize, sei es ein besonders buntes Gefieder oder Lichtsignale wie jene der Junikäfer, werden ausgesendet, um auch in der Ferne potenzielle Partnerinnen zu erreichen.

Bei all den großen Unterschieden gibt es eine Gemeinsamkeit, wie Stockinger weiß: "Bei fast allen Arten entscheiden die Weibchen, ob ihnen der Partner passt." Das hatte etwa für den männlichen Pfau zur Folge, dass er zwar die längsten und prächtigsten Oberschwanzfedern entwickelte, die bei den Weibchen besonders gut ankommen, damit aber kaum mehr fliegen oder flüchten kann. Aber in der Tierwelt heißt es stets: Hauptsache, das Erbgut wird weitergegeben.




foto: universalmuseum joanneum/n. lackner
Die Maulwürfe gehen es eher entspannt an.

Dauer und Geschicklichkeit

Auch Dauer und Geschicklichkeit des Geschlechtsakts sind sehr unterschiedlich: So verbringen Schwäne einige Stunden mit dem Paarungstanz, der Sex selbst, der stets im Wasser stattfindet, ist dann aber nach zwei bis drei Sekunden vorbei. Ganz anders die Weinbergschnecken: Sie sind nicht nur sonst gemächlich unterwegs, sie paaren sich auch stundenlang. "Die meisten Vögel haben übrigens gar keinen Penis, wenn sie einen haben, sind sie meist Wasservögel", sagt Peter Niederklopfer, Stockingers Kollege aus Liechtenstein, der auch Präparator ist, vor einem ausgestopften Schwan stehend, der gerade auf dem Rücken eines ebensolchen Weibchens sitzt.

Bei den Enten stürzten sich dafür oft vier bis fünf Erpel gleichzeitig auf das Weibchen, sodass dieses unter Wasser gedrückt wird und manchmal sogar ertrinkt. "Diese Paarung war dann nicht erfolgreich", so Niederklopfer.

Wenn aber das Männchen bei der Paarung das Zeitliche segnet, ist das meist egal. Das Männchen der Rotrückenspinne lässt sich sogar freiwillig von seiner Partnerin auffressen, "weil er weiß, dass sie dann satt ist und sich mit niemandem anderen mehr paart", erklärt Stockinger, "und er hat das Ziel erreicht, seine Gene weiterzugeben". Bekannter ist da der breiten Masse die legendäre Gottesanbeterin, die ihrem Männchen auch manchmal den Kopf während des Aktes abbeißt – die Muskeln funktionieren trotzdem gut weiter, erklärt Stockinger: "Die Paarung mit einem kopflosen Männchen dauert sogar weit länger."


foto: eliane huber, naturmuseum thurgau
Feldhasen, die zur Sache kommen.

Veganer Sex

Auch Pflanzen können Sex haben, und zwar nicht nur mit Bienen. Schautafeln, die ebenso wie die Mikroskopaufnahmen von Pollen und Spermien fast künstlerisch anmuten, wissen davon zu berichten. Und auch im Tierreich gibt es übrigens Sex ohne Kinderwunsch, etwa zur Festigung sozialer Beziehungen, um Spannungen abzubauen oder einfach zur Steigerung des Wohlbefindens. Der letzte Raum ist daher "Just vor Fun" übertitelt. (Colette M. Schmidt, 4.5.2017)

Sexperten – Flotte Bienen, tolle Hechte

Graz, Naturkundemuseum im Joanneumsviertel

Bis 7. 1. 2018

    Share if you care.