"Guardian": Riffschutz-Roboter setzt Fische unter Strom

28. Mai 2017, 14:54
3 Postings

Teilautonomer Wächter soll atlantische Küstengewässer vor invasiven Feuerfischen bewahren

Sie sind räuberisch, vermehren sich schnell und haben in atlantischen Gewässern keine natürlichen Feinde: Die Rotfeuerfische. Versehentlich eingeschleppt vor einem Vierteljahrhundert sollen die Meeresbewohner mit ihren markanten Giftstacheln zunehmend zu einer Bedrohung für die Riffe in den warmen Gebieten des Westatlantiks werden. Denn sie ernähren sich von kleineren Fischen, die wichtig für das vielfältige und empfindliche Unterwasser-Ökosystem sind.

Die Nonprofit-Organisation RSE Technology ("Robots in Service of the Environment"), zu dessen Gründerteam auch der Chef des Staubsaugerrobter-Produzenten iRobot gehört, will dem Vordringen der gefräßigen Spezies nun Einhalt gebieten. Und zwar mit einem schwimmenden Roboter, der die Problemfische aufspürt und einfängt.

foto: rse

Geschockter Fisch wird eingesaugt

Es entbehrt angesichts der Unternehmensgründer nicht einer gewissen Ironie, dass auch der "Guardian LF1" ähnlich wie ein Staubsauger funktioniert. Der Roboter ist per Kabel oder Funkverbindung mit einem Operator auf einem Boot verbunden und soll automatisch entlang von Riffen und Kliffen patroullieren. Mittels Kamera und Lichtern liefert er eine Echtzeitübertragung vom Meeresboden.

Entdeckt man einen Feuerfisch, so wird mithilfe zweier metallener Panels ein schwacher Stromstoss abgegeben. Der Elektroschock lähmt den Fisch kurz und ermöglicht es, das Tier anschließend in den reusenförmigen Behälter des Roboters zu saugen. In diesem kann der "Wächter" maximal knapp 23 Kilogramm an "Beute" transportieren. Die Schockmethode wird auch von Marinebiologen eingesetzt und gilt als schonendstes Fangverfahren.

foto: rse

Schonende Fangmethode

Das Einfangen der Tiere mithilfe von Tauchern ist wesentlich ineffizienter und riskanter, zudem leben sie Fische in Tiefen von bis zu 120 Meter. Mit Angeln oder Netzen ist der Feuerfisch-Invasion wiederum nicht beizukommen, da die Tiere die meiste Zeit in Höhlen verbringen. Dazu gefährdet das Einfangen mittels Elektroschocks keine anderen Meeresbewohner.

Der Guardian LF1 besitzt einen Durchmesser von 20 Zentimetern und wiegt rund neun Kilogramm. Er hat am Kabel eine Reichweite von 100 Meter, kann alternativ aber auch mit einem Akku betrieben werden. Im April wurde der Roboter in den Bermudas getestet. Man verfolgt das Ziel, die Herstellungskosten unter 1.000 Dollar zu drücken, so die Entwickler gegenüber der New York Times.

foto: rse

Essbares Problem

Zusätzlich versucht man, die Feuerfische als Ergänzung für die Speisekarten von Restaurants schmackhaft zu machen und hat etwa beim Segelwettbewerb America’s Cup einen Rezeptewettbewerb veranstaltet. "Wir Menschen haben uns das Problem selber eingebrockt, unsere Hoffnung liegt nun darin, dass wir uns aus dieser Situation herausessen können", so einer der Teilnehmer.

Mit einer Kickstarter-Kampagne will man nun Aufmerksamkeit für das Projekt schaffen und den Bau einer ganzen Flotte der teilautonomen Maschinen finanziell unterstützen. Mindestens 25.000 Dollar will man dazu binnen eines Monats einnehmen, im Moment sieht es allerdings nicht so aus, als könnte man das Ziel erreichen. Je nach Betrag erhalten Unterstützer verschiedene Belohnungen, von (ungültigen) Roboter-Angelzertifikaten und T-Shirts bis hin zur Benennung eines Roboters und einer Einladung zu einer Feuerfisch-Safari. (gpi, 28.05.2017)

    Share if you care.