Wolkenkratzer der Zukunft: Heilende Berge und ein Marktplatz für Afrika

Ansichtssache16. Juli 2017, 09:00
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Das Architektur- und Designmagazin "eVolo" hat vor kurzem die Siegerentwürfe eines Hochhauswettbewerbs gekürt

bild: evolo

Ziel beim Wolkenkratzer-Award des Architektur- und Designmagazins "eVolo" ist, die vertikale Architektur, so wie wir sie heute kennen, herauszufordern. Seit 2006 wird der Preis jährlich für visionäre Projekte vergeben. Insgesamt wurden heuer 444 Entwürfe von Wolkenkratzern eingereicht, eine Jury wählte drei Gewinner und 22 erwähnenswerte Projekte aus. Sie wurden vor einigen Wochen bekanntgegeben.

Der erste Preis ging heuer nach Polen: Pawel Lipiński and Mateusz Frankowski haben mit dem "Mashambas Skyscraper" einen Wolkenkratzer konzipiert, der als "Bildungscenter und Marktplatz" in Sub-Sahara-Afrika fungieren soll.

Hier sollen beispielsweise landwirtschaftliche Techniken unterrichtet werden. Sobald die lokale Bevölkerung autark wird, zieht der Wolkenkratzer, der aus übereinandergestapelten modularen Elementen besteht, wieder weiter, so die visionäre Idee dahinter. Durch die vertikale Gebäudeform werde den Farmern so wenig Platz wie möglich weggenommen, argumentieren die Architekten.

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bild: evolo

Der zweite Platz ging an Tianshu Liu and Lingshen Xie aus den USA für ihr Projekt "Vertical Factories in Megacities". In ihrem Entwurf setzen sie sich mit der Überlegung auseinander, Fabriken, die heute ja strenge Umweltauflagen erfüllen müssen und die Luft nicht mehr verpesten dürfen, wieder zurück in die Megastädte zu verlegen – und zwar in Form vertikaler Gebilde.

Unterschiedliche Schichten – Produktionsstätten und Freizeitflächen zum Beispiel – werden zusammengewürfelt und bilden eine vertikale Struktur, in der jede Schicht voneinander profitiert – etwa, indem aus den Fabriksabfällen Energie gewonnen wird. Bei urbanen Fabriken könnten die Mitarbeiter zu Fuß in die Arbeit gehen, argumentieren die Architekten, und so könnte die Anzahl von Autos auf der Straße reduziert werden.

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bild: evolo

Auf dem dritten Platz landete Javier López-Menchero Ortiz de Salazar aus Spanien mit seinem Projekt "Espiral 3500". Er hat gleich eine ganze Stadt in einer Struktur angelegt, die sich spiralförmig nach oben schraubt, um den Bodenverbrauch zu reduzieren.

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visualisierung: evolo

Unter den 22 weiteren Projekten, die von der Jury lobend erwähnt wurden, finden sich auch Dörfer, die von Bergen hängen, und Türme, die sich die Windenergie zunutze machen.

Mit dem "Heal-Berg" hat auch ein italienisch-österreichisches Team, bestehend aus Luca Beltrame und Saba Nabavi Tafreshi, eine lobende Erwähnung erhalten. Der Wolkenkratzer in der Antarktis soll dem Klimawandel Einhalt gebieten und dessen Effekte sogar umkehren.

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bild: evolo

Die südkoreanischen Architekten Ko Jinhyeuk, Cheong Changwon, Cho Kyuhyung und Choi Sunwoong wiederum wollen mit ihrem Turm "The Monument of Giant" im Stamm eines Mammutbaums in den USA zeigen, wie die Menschen mit der Natur koexistieren könnten.

So würde die Architektur "ganz unauffällig" im Inneren eines Baumes sein, ohne von der sie umgebenden atemberaubenden Landschaft abzulenken, heißt es in der Presseinformation. Während der Baum verrottet, würde die Architektur wie ein künstliches Organ fungieren und langsam den Stamm ersetzen, heißt es weiter.

"eVolo" nimmt übrigens bereits Einreichungen für den nächsten Wolkenkratzer-Award, der 2018 verliehen wird, entgegen. (red, 16.7.2017)

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Die Siegerprojekte

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