Eurozone hängt USA beim Wirtschaftswachstum ab

3. Mai 2017, 15:25
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Plus von 0,5 Prozent im ersten Quartal – Spanien überdurchschnittlich stark, Frankreich unter Schnitt – Ökonomen: EZB könnte Wachstumsprognose für 2017 jetzt anheben

Brüssel/Berlin – Die Eurozone hat die weltgrößte Volkswirtschaft USA zu Jahresbeginn beim Wachstum abgehängt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Jänner bis März um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu – mehr als doppelt so stark wie in den USA. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Schätzung des Statistikamts Eurostat hervor.

Ökonomen hatten mit diesem Ergebnis gerechnet, nachdem es im Schlussquartal 2016 ebenfalls ein Plus von revidiert 0,5 (bisher: 0,4) Prozent gegeben hatte.

"Es ist doch erstaunlich, wie stark sich die Eurozone zeigt", sagte der Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP-Bank, Thomas Gitzel. "Lange Zeit galt die Währungsunion als kranker Mann, doch davon kann derzeit keine Rede sein." Der niedrige Eurokurs kurbelt die Exporte an, die zudem von der besseren Weltkonjunktur profitieren. Auch der private Konsum dürfte das Wachstum stützen, obwohl die Kaufkraft unter der höheren Inflation leidet. Dafür ist die Arbeitslosigkeit in den vergangenen Monaten merklich gesunken.

Spanien wächst stark

Zu den am schnellsten wachsenden Euroländern gehört Spanien. Hier nahm das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,8 Prozent zu. Dagegen schaffte die französische Wirtschaft nur ein Plus von 0,3 Prozent. "Kommt es am Sonntag zu einem Wahlsieg von Emmanuel Macron, wachsen die Chancen auf Reformen", sagt Gitzel. "Gezielte Liberalisierungsschritte am Arbeitsmarkt könnten am Ende große Wirkung zeigen und für neue Dynamik der zuletzt lahmen französischen Volkswirtschaft sorgen."

Nach dem guten Jahresauftakt könnte die Europäische Zentralbank nach Einschätzung einiger Volkswirte ihre Wachstumsprognose für die Eurozone von derzeit 1,8 Prozent im Gesamtjahr 2017 nach oben korrigieren. "Doch dies bedeutet nicht, dass die EZB bald aus ihrer ultraexpansiven Geldpolitik aussteigt", sagt Commerzbank-Experte Christoph Weil. "Zum einen gehen wir davon aus, dass das höhere Wirtschaftswachstum nicht nachhaltig ist, denn in der zweiten Jahreshälfte dürften insbesondere die Impulse von der Weltwirtschaft wieder etwas nachlassen." Zum anderen sei die Kerninflation – also die Verbraucherpreise ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel – nach wie vor schwach.

Die EZB hält ihren Leitzins seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Damit sowie mit dem Kauf von Wertpapieren will sie die Konjunktur und die Inflation anschieben. (APA, 3.5.2017)

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