Forscher machen "vokalen Hotspot" bei Erdmännchen aus

5. Mai 2017, 16:38
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Schweizer Forscher nahmen die akustische Kommunikation der kleinen Raubtiere genau unter die Lupe

Zürich – Schweizer Forscher haben sich mit dem Gruppenzusammenhalt von Erdmännchen bei der Futtersuche befasst. Insbesondere interessierte die Forschungsgruppe um Marta Manser von der Universität Zürich, wie die kleinen Raubtiere es anstellen, einander nicht zu verlieren. Bei der Beutesuche im Sand richten die Tiere nämlich den Kopf nach unten, können also keinen Blickkontakt halten.

Es zeigte sich, dass die akustische Kommunikation für die Tiere neben herkömmlichen Warnrufen und anderen Signalen eine tiefergehende Rolle spielt als gedacht. Sie orientieren sich offenbar an der Ruf-Dichte, um ihre eigene Position im Verhältnis zum Großteil ihrer Gruppe zu bestimmen. Sie folgen der Richtung, wo viele Individuen häufig rufen – einem sich bewegenden "vokalen Hotspot", berichten die Forscher im Fachblatt "Royal Society Open Science".

Experimentelle Überprüfung geglückt

Das stellten Manser und ihre Mitarbeiterin Gabriella Gall fest, indem sie einer Gruppe futtersuchender Erdmännchen im Kuruman River Reserve in Südafrika Aufnahmen vorspielten und dadurch zwei entgegensetzte Ruf-Hotspots am vorderen und am hinteren Ende der Gruppe erzeugten. Die Tiere teilte sich daraufhin in zwei Gruppen, folgten also dem ihnen am nächsten gelegenen Hotspot.

In einer weiteren Studie im Fachblatt "PLOS ONE" haben Manser und ihr Team außerdem untersucht, warum verschiedene Individuen in der Erdmännchen-Gruppe mit unterschiedlicher Frequenz Rufe ausstoßen. Stress konnten sie zumindest im Kontext der Futtersuche als Grund ausschließen: Das zeigte sich nach Analyse von Tonaufnahmen von 64 Individuen aus neun Gruppen, sowie von Stresshormon-Konzentrationen im Kot der Tiere.

Stattdessen zeigte sich, dass insbesondere hierarchisch hochgestellte Weibchen und einjährige Männchen viel mehr Rufe ausstießen als andere Gruppenmitglieder. Außerdem riefen sie während der Paarungszeit bis zu fünfmal häufiger als außerhalb dieser Zeit. Demnach können die Erdmännchen aus den Rufen Informationen über Geschlecht, sozialen Status und Paarungsbereitschaft der anderen ziehen. (APA, red, 5. 5. 2017)

  • Manchmal darf es aber auch ein echter Hotspot sein.
    foto: reuters/will burgess

    Manchmal darf es aber auch ein echter Hotspot sein.

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