Integrativer Kurz-Besuch in der Schule

3. Mai 2017, 14:44
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Integrationsminister Sebastian Kurz besucht ein Linzer Gymnasium: keine Flitzer und weniger Zuwanderung

Linz – Ein Saal voller aufgeregter Jugendlicher, drei erfolgreiche Österreicher mit Migrationshintergrund auf dem Podium und keine kritischen Journalistenfragen – für Sebastian Kurz war der Schulbesuch am Mittwoch in Linz eine "gmahde Wiesn". Der Integrationsminister stattete im Rahmen der Initiative "Zusammen Österreich" dem Bundesgymnasium und Bundesrealgymnasium Ramsauerstraße einen Besuch ab.

Mit dabei waren die Integrationsbotschafter Efgani Dönmez (Mediator und ehemaliger grüner Bundesrat), Sportwissenschafterin Indira Hrapović und Projektmanager Frederic Farhad Hadjari, die ihre Wurzeln in der Türkei, Montenegro und dem Iran haben. Deren alleinige Aufgabe war es, knapp und positiv ihre Lebensgeschichte zu erzählen – gespickt mit Integrationsschlagworten, die für ein zufriedenes Ministerlächeln sorgten. "Gehts aufeinander zu, gehts ein Risiko ein und denkts positiv", führte Hadjari aus. Und: Übrigens sei "Integration keine Einbahnstraße". Dönmez setzte nach: "Gehts den Weg der Bildung und machts gleich mehrere ordentliche Ausbildungen."

Wobei es dann trotz all der positiven Schwingungen im Schulraum an Kurz lag, die Sache politisch zu präzisieren: "Also, mein Zugang ist, dass wir den Strom der Zuwanderung reduzieren müssen." Die Mehrheitsbevölkerung dürfe nicht überfordert werden.

Kein Altersproblem

Ehe jedoch die positive Grundstimmung in den Schulkeller zu rasseln drohte, schaltete der Außenminister rasch wieder in den "Locker-flockig"-Modus und begab sich auf Augenhöhe mit den Schülern: "Ihr könnts ruhig du sagen – so viel älter bin ich nicht."

Das Angebot wurde auf Schülerseite kommentarlos angenommen, schützte den Minister aber nicht vor durchaus kritischen Fragen. Die dieser aber stets großräumig zu umschiffen versuchte.

Schüler: "Mich interessiert die Privatperson Sebastian Kurz. Wie engagierst du dich privat für Integration?" Kurz: "Ich wohne im zwölften Wiener Gemeindebezirk, daher ist Integration für mich ein ganz normales Thema. Außerdem habe ich viele Bekannte und Freunde mit Migrationshintergrund."

Gesetzliche Grenzen

Wo denn die integrative Grenze zu ziehen sei, will eine Schülerin wissen: "Sebastian, heißt das, dass man sich nicht integrieren will, wenn man ein Kopftuch trägt?" Kurz: "Wenn eine Frau freiwillig ein Kopftuch trägt – kein Problem. Wir haben Religionsfreiheit in Österreich. Aber: Wenn du Stewardess oder Pilotin bist, wirst du damit leben müssen, eine Uniform zu tragen." Es gebe eben Regeln, an die sich alle halten müssten: "Es gibt Leute, die würden gerne nackt herumlaufen. Aber es gibt gesetzliche Grenzen." Flüchtlinge könnten oft nicht arbeiten, "selbst wenn sie wollen", wirft dann ein Schüler ein. Kurz kontert, die Zahl der Ärzte und Rechtsanwälte unter den Flüchtlingen sei "viel kleiner als dargestellt".

Nach gut eineinhalb Stunden läutet dann die Pausenglocke. Und Außenminister Kurz hat noch eine letzte Botschaft an die versammelten Achtklässler: "Auch die Matura geht vorbei – und dann kommt eine richtig lässige Zeit." (Markus Rohrhofer, 3.5.2017)

  • Ein Lächeln über Parteigrenzen hinweg: Außenminister Sebastian Kurz (VP) und der ehemalige grüne Bundesrat Efgani Dönmez.
    foto: apa/hannes draxler

    Ein Lächeln über Parteigrenzen hinweg: Außenminister Sebastian Kurz (VP) und der ehemalige grüne Bundesrat Efgani Dönmez.

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