Nächste Stufe des Lkw-Fahrverbots in Tirol in Kraft

3. Mai 2017, 14:00
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Seit 1. Mai sind auch Lkws der Euroklasse 5&EEV betroffen

Innsbruck – In Tirol ist am 1. Mai die nächste Stufe des Sektoralen Lkw-Fahrverbots auf Teilen der Inntalautobahn (A12) in Kraft getreten. Lkws der Euroklasse 5&EEV dürfen nicht mehr mit unverderblichen Gütern beladen auf der Straße durch Tirol fahren, sondern müssen auf die Schiene, teilte das Land am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Mit 1. November war bereits der Transport von Gütern mit Lkws der Euro-Klasse 4 zwischen Langkampfen und Ampass untersagt worden. Die Rollende Landstraße (RoLa) habe bei Gütern des Sektoralen Fahrverbots im ersten Quartal 2017 deutliche Zuwächse von circa 40 Prozent mehr Schienentransporten – die allgemein steigenden Lkw-Zahlen konnte dieser erste Verlagerungsschritt allerdings nicht abfangen, erklärte die zuständige Landeshauptmann-Stellvertreterin Ingrid Felipe von den Grünen.

Das könne sich aber mit dem seit dieser Woche gültigen Verbot der Euroklasse 5&EEV ändern, so Felipe. Zum Zeitpunkt der Verordnung letzten Herbst waren 40.000 Lkws im Jahr mit unverderblichen Gütern und Euroklasse 5&EEV und niedriger auf der Inntalautobahn unterwegs. Diese etwa 40.000 Transporte würden jetzt jedenfalls nicht mehr mit diesen älteren und schadstoffreicheren Lkws durch Tirol fahren. Ob und wie sich diese Fahrten verlagern und ein wie großer Anteil davon auf die Schiene wechselt, werde erst Ende des ersten Jahres mit sektoralem Fahrverbot im Herbst klar sein.

Evaluierung steht 2018 an

Schon jetzt sei dagegen klar, dass es 2018 zu einer Evaluierung der Maßnahmen gemeinsam mit der EU-Kommission komme. "Wenn wir bei dieser Evaluierung herausfinden, dass wir mit unseren Luftgütemaßnahmen von preiswerteren Öffis über den Luft-100er bis zum sektoralen Lkw-Fahrverbot auf Kurs sind, bis 2020 die europaweit vereinbarten Luftwerte einzuhalten, dann gehe ich davon aus, dass das Vertragsverletzungsverfahren wegen mangelnder Luftgüte eingestellt wird. Wenn die Maßnahmen dafür nicht ausreichen, dann werden wir gemeinsam mit der EU-Kommission weitere Einschränkungen des Transitverkehrs angehen müssen", argumentiert Felipe.

Trotz steigenden Lkw-Verkehrs auf dem Brenner in der Bilanz des Jahres 2016 hätten die Bemühungen des Landes um bessere Luft Früchte getragen, so Felipe. An allen vier autobahnnahen Messstellen in Kundl, Vomp, Mutters/Gärberbach und Imst sei ein kontinuierlicher und teils deutlicher Abwärtstrend bei der Jahresbelastung mit Stickstoffdioxid zu verzeichnen. Der letzte Jahreswert liege in Vomp 33 Prozent unter dem negativen Rekordwert aus dem Jahr 2010, in Kundl 25 Prozent darunter.

Transitforum kritisiert zahnlose Maßnahmen

Transitforum-Austria-Obmann Fritz Gurgiser hingegen bewertete die Maßnahmen der Landesregierung weiterhin als komplett zahnlos. "Mit diesen Methoden ändert man am Aufkommen real nichts", sagte Gurgiser. In der Sache würde sich nichts ändern, denn dann würden halt Lkws der Euroklasse 6 mit unverderblichen Gütern über den Brenner donnern. Zeit genug sei den Frächtern jedenfalls eingeräumt worden, ihren "Fuhrpark zu disponieren".

Der Transitforum-Chef sah einmal mehr grobe Versäumnisse der Tiroler Politik hinsichtlich der Zusammenarbeit an der Gesamtstrecke Rosenheim–Verona. Zwischen dem Brenner und Verona herrsche überhaupt "Narrenfreiheit für Lkws aller Art". (APA, 3.5.2017)

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