Jungsteinzeitliche Steinkistengräber in Sachsen-Anhalt entdeckt

3. Mai 2017, 13:39
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4.500 Jahre alte Gräber werden der Glockenbecherkultur zugeordnet

Magdeburg – Jungsteinzeitlicher Fund in Deutschland: Beim Neubau einer Fernwasserleitung nahe Cörmigk in Sachsen-Anhalt sind sechs sogenannte Steinkistengräber entdeckt worden. Dabei handelt es sich um eine im Neolithikum in weiten Teilen Eurasiens verbreitete Bestattungsform, für die menschliche Gebeine in manchmal unterirdisch, manchmal überirdisch liegenden "Kisten" aus Steinplatten beigesetzt wurden. Das genaue Aussehen solcher Anlagen variierte mit Ort und Zeit der offenbar mehrfach in Mode gekommenen Bestattungsweise.

Die Gräber von Cörmigk haben eine Nord-Süd-Ausrichtung und sind laut ersten Untersuchungen etwa 4.500 Jahre alt. Drei der Gräber sind immer noch klar erkennbar als Steinkisten aus sorgfältig gesetzten flachen Steinplatten angelegt worden. Die übrigen drei sind nur in Resten erhalten geblieben, sie wurden im Zuge der landwirtschaftlichen Nutzung irgendwann untergepflügt. "Diese Gräber wurden in zwei Reihen bewusst als Bestattungsfeld angelegt, das ist das Besondere", sagte Ausgrabungsleiterin Susanne Friederich zum Fund.

In zwei Gräbern sind menschliche Knochen erhalten geblieben. Zudem fanden die Archäologen in allen Ruhestätten ein bis zwei Keramikgefäße als Beigaben. Deren charakteristische Form ermöglicht die Zuordnung der Gräber zur sogenannten Glockenbecherkultur, die am Übergang von der Jungsteinzeit zur Bronzezeit etwa von 2600 bis 2200 vor unserer Zeitrechnung über Mittel- und Westeuropa verbreitet war. Die Ursprünge der Träger dieser Kultur sind unbekannt. (red, APA, 3. 5. 2017)

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