Forscher wollen Lymphdrüsen-Krebszellen in den Selbstmord treiben

    3. Mai 2017, 12:35
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    Forschern der Med-Uni Graz ist es gelungen, zwei erfolgsversprechende Faktoren zu entschlüsseln, die in Lymphzellen einen programmierten Zelltod auslösen

    Die Behandlungsmöglichkeiten bei Lymphdrüsenkrebs haben sich in den vergangenen Jahren erfolgreich entwickelt, das fortgeschrittene Stadium ist jedoch noch immer nur eingeschränkt heilbar. An der Med-Uni Graz sind Faktoren entdeckt worden, die Tumorzellen in den programmierten Zelltod treiben. Laut den Grazer Experten könnte sich daraus eine weitere Therapieoption entwickeln.

    Österreichweit erkranken jährlich rund 1000 Menschen an bösartigen Tumoren des Lymphgewebes. Die Erkrankung betrifft die lymphatischen Zellen in den Lymphknoten, der Milz, in den Mandeln sowie in den Stammzellen des Knochenmarks. "Maligne Tumoren des Lymphgewebes können alle Altersstufen betreffen, wenngleich Menschen ab dem 60. Lebensjahr tendenziell häufiger erkranken", beschrieb Alexander Deutsch von der Lymphomforschungsgruppe der Klinischen Abteilung für Hämatologie der Medizinischen Universität Graz den Status quo.

    Die Grazer Lymphomforschungsgruppe unter der Leitung von Peter Neumeister beschäftigt sich mit den molekularen Mechanismen, die zur Entstehung von Lymphomen beitragen. Zuletzt wurde von der Gruppe ein Mechanismus entdeckt, der in Tumorzellen ein "Selbstmordprogramm", die sogenannte Apoptose, auslöst, wie Deutsch gegenüber der APA ausführte. Alle Zellen des Körpers besitzen ein eigenes Programm, welches überalterte, beschädigte, überflüssige oder für den Körper schädliche Zellen, wie etwa Tumorzellen, zerstört. Schwere Krankheiten wie auch Krebs können dementsprechend auch mit Störungen im programmierten Zelltod zusammenhängen.

    Komplexe genetische Programme

    Die Grazer Forscher erkannten im Laufe ihrer mehrjährigen Forschungsarbeit, dass bei der Lymphom-Entstehung zwei Transkriptionsfaktoren stark vermindert sind bzw. keinerlei Aktivität aufweisen. "Transkriptionsfaktoren sind DNA bindende Eiweißstoffe, die komplexe genetische Programme regulieren", erklärte Deutsch. In dieser Gruppe sind NR4A1 und NR4A3 sogenannte Kernrezeptoren (nukleäre Rezeptoren, NR, Anm.), die im Zellkern vorkommen.

    Die Forscher erkannten bald, dass in Tumorzellen niedrige Level von NR4A1 und NR4A3 einen wesentlich aggressiveren Krankheitsverlauf bedingten. Als sie jedoch mittels Gentransfer NR4A1 in die Tumorzellkulturen im Labor einbrachten, wurde die Apoptose ausgelöst. Mittels Zellkulturen und Mausmodellen haben die Forscher jüngst auch gezeigt, dass auch der Transkriptionsfaktor NR4A3 in Lymphzellen das Selbstmordprogramm induziert und Proteine reguliert wurden (sogenannte pro-apoptotische Eiweißkörper), die den programmierten Zelltod bewirken können. Laut Deutsch üben demnach sowohl NR4A1 als auch NR4A3 in Lymphzellen eine tumorunterdrückende Funktion aus.

    Zelltod in Krebszellen

    Nun scheint auch eine medikamentöse Steuerung des Tumorzelltodes möglich. Aus Sicht der Grazer Forscher ist damit die Basis für eine zukünftige medikamentöse Therapie gelegt worden. Auf dieser Ebene sollen Mittel entwickelt werden, die den in Krebszellen verhinderten programmierten Zelltod wieder greifen lassen sollen.

    In ihren jüngsten Experimenten, die durch die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie und den Verein für Medizinische Forschung (MEFO) Graz gefördert werden, untersuchen Deutsch und seine Kollegen, wie sich ein totaler NR4A3-Verlust auf die Lymphomentstehung auswirkt, und ob ein gleichzeitiger Verlust von NR4A1 und NR4A3 die Tumorentstehung beschleunigt. Weiters will er mittels "Next generation sequencing" im Detail untersuchen, welche genetischen Programme konkret von NR4A3 in aggressiven Lymphomen reguliert werden. (APA, 3.5.2017)

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