Intendant Wegscheider: Servus TV "sicherlich alternatives Medium"

3. Mai 2017, 09:26
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Info-Chef Paar will Nachrichten-Seherzahl verdoppelt – "Äquidistanz" sei redaktionelle Leitlinie, nicht Rechtspopulismus

Wien/Wals – Der Privatsender Servus TV sieht sich mit seinen Informations-Formaten im Aufwind und denkt über zusätzliche Sendezeit für News nach. Das kündigen Intendant Ferdinand Wegscheider und Info-Chef Hans Martin Paar im APA-Interview an. Die Stimmung im Sender sei genau ein Jahr nach der überraschenden – und kurzfristigen – Einstellung durch Red Bull-Boss Dietrich Mateschitz gut, versichern sie.

Am 3. Mai 2016 gab es eine etwa 24-stündige Schrecksekunde für Servus TV und die gesamte Branche: Mateschitz kündigte an, den Fernsehsender zu schließen – und machte dies einen Tag später wieder rückgängig. Hängt nicht seitdem ein permanentes Damoklesschwert über dem "Green Tower" in Wals? Nein, sagen Wegscheider und Paar. "Der Sender ist mit ungebremster Energie weitergeführt worden", so der Info-Chef. "Zugleich ist die Erwartung um nichts kleiner geworden, dass der Sender dementsprechend Zuspruch beim Publikum findet."

"Um Lichtjahre relevanter"

Und mit der momentanen Performance sind die Fernsehmacher zufrieden. Denn vor einem Jahr habe man sich auch vorgenommen, "das Programm relevanter zu machen", blickt Wegscheider zurück. "In den ersten Jahren hat gerade der Bereich News ein bisschen ein Mauerblümchendasein geführt." Mit nur einer Nachrichtensendung pro Werktag habe man sich "am Freitagabend um 18.10 ins Wochenende verabschiedet". Nun gibt es täglich zwei News-Formate, zusätzliche Kompaktnachrichten und ein WhatsApp-Service mit rund 36.000 Abonnenten.

Beim "Talk im Hangar 7", laut Servus TV im April 2017 die meistgesehene Live-Diskussion im heimischen Privatfernsehen, setze man auf aktuelle Themen, und im Programmschema sei man "berechenbarer" für die Zuschauer geworden. Durch all diese Maßnahmen sieht der Intendant Servus TV "um Lichtjahre relevanter geworden". Zum Vergleich: "Talk im Hangar 7" sahen im April 2017 im Schnitt 55.000 Zuschauer (12plus), "Pro & Contra" auf Puls 4 53.000.

Das Publikum honoriere das: Im April freut sich der Sender mit zwei Prozent Marktanteil über eine deutliche Steigerung zum Vorjahr (2017: 1,5 Prozent) und den bisher stärksten Monat im heurigen Jahr. Die Hauptnachrichten um 19.20 Uhr hätten "innerhalb eines Jahres die Seherzahl auf im Schnitt 61.000 im April verdoppelt. Wir sind damit die meistgesehene Privat-News-Sendung nach 'ATV aktuell'".

Zum "Tagesbegleiter" werden

Nach leichten Dämpfern in den ersten Monaten des Jahres (1,7 Prozent Marktanteil im März), die laut Wegscheider gerade analysiert werden, will man heuer jedenfalls einen Jahresmarktanteil von mindestens zwei Prozent erzielen. 2016 betrug er 1,8 Prozent. Mit den Nachrichten um 19.20 Uhr lag man im April bereits bei "knapp drei Prozent", sieht Paar somit die Notwendigkeit für einen Privat-TV-Sender, mit Nachrichten zum aktuellen "Tagesbegleiter" des Publikums zu werden. "Wir sind gerade in der Überlegungsphase, in welchen Tagessegmenten Information noch Sinn machen würde."

Kritisch beäugt wurde Servus TV in der Vergangenheit etwa wegen der Entscheidung, den "Identitären"-Chef Martin Sellner in den "Talk" einzuladen. Auch Wegscheider selbst eckt mit seinen Kommentaren unter dem Titel "Der Wegscheider" immer wieder an. Zum "Heimatsender der Rechtspopulisten" sah "Vice" den Salzburger Sender gar mutieren.

Servus TV sicherlich "alternatives" Medium

Das weisen Wegscheider und Paar zurück. "Äquidistanz" sei redaktionelle Leitlinie, und geworben wird mit Berichterstattung "ohne Einfluss von Parteien und Freundeskreisen". Der Standort in der "geografischen Mitte" sei hier auch ein Vorteil, so Paar: "Man kann uns nicht die Gefahr der Verhaberung nachsagen." Und Wegscheiders TV-Kommentare seien strikt von der Berichterstattung getrennt und klar gekennzeichnete Meinungsäußerungen.

Dass in Österreich "Mainstream-Medien" der veröffentlichten Meinung eine bestimmte Richtung verpassen, wie auch in einem Kommentar geäußert, denkt Wegscheider aber schon. In diesem Sinne sei Servus TV sicherlich ein "alternatives" Medium, meint er. Was natürlich die Frage aufwirft, inwieweit Servus TV in das jüngst bekannt gewordene neue Projekt von Mateschitz, die Plattform "Quo vadis veritas", passt. Momentan ist das Projekt in der Planungsphase und man freue sich aus redaktioneller Sicht auf mögliche Kooperationen, so Wegscheider.

Zurückhaltend klingt der Programmintendant, wenn er nach einer Wunschliste für Sportrechte gefragt wird. Interessant seien natürlich "alle attraktiven". Doch der Markt sei so aufgeheizt, dass die Ausgaben "in keiner Relation" stünden. Mit dem Moto GP ist Servus TV höchst zufrieden. Bei der Champions League wurde "generelles Interesse bekundet". (APA, 3.5.2017)

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