"Schiffbrüchiger" Waran nach fast 200 Jahren wiederentdeckt

6. Mai 2017, 18:00
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Varanus douarrha wurde schon 1823 beschrieben – doch das Schiff seines Entdeckers verunglückte am Kap der Guten Hoffnung

foto: valter weijola
Varanus douarrha kommt nur auf Neuirland vor.

Turku – Neuirland ist eine etwa 8.600 Quadratkilometer große Insel nordöstlich von Neuguinea. Sie liegt im Bismarck-Archipel und trug während der kurzen deutschen Kolonialherrschaft von 1885 bis zum Ersten Weltkrieg den Namen Neumecklenburg. Danach ging sie an Australien, wurde im Zweiten Weltkrieg vorübergehend von Japan besetzt und schlussendlich Teil des unabhängigen Staats Papua-Neuguinea.

Trotz dieser bewegten Historie fanden für die dortige Tierwelt die wichtigsten Umwälzungen schon einige zehntausend Jahre früher statt – dann nämlich, als die ersten Menschen die Insel erreichten. Wie auf allen größeren Landmassen der Erde verschwanden nach der menschlichen Einwanderung so gut wie alle großen Tierarten. Nur eine überlebte, und auch deren Geschichte ist wechselhaft.

foto: valter weijola
Trotz einer Einwohnerzahl von 100.000 wuchern auf Neuirland immer noch urtümliche Wälder.

Als ab dem 16. Jahrhundert die ersten europäischen Entdeckungsfahrer auf der Insel eintrafen, fanden sie dort neben Tieren, die man schon aus anderen Regionen kannte, nur eine einzige größere Tierart vor, die es sonst nirgendwo gab: einen über 1,3 Meter langen Waran. Der Fossilienbefund zeigt, dass es auf Neuirland früher noch andere endemische Arten gab, berichtet der finnische Biologe Valter Weijola von der Universität Turku – unter anderem großgewachsene Rattenverwandte und mehrere Arten flugunfähiger Vögel. Außer dem Waran konnte keine von diesen neben dem Menschen bestehen.

Der erhielt schließlich im Jahr 1823 die Bezeichnung Varanus douarrha, als der französische Naturforscher Renè Lesson mit seiner Expedition die Insel erreichte. Ein Exemplar sollte nach Frankreich geschafft werden, dürfte aber verloren gegangen sein, als die Expedition ein Jahr später beim Umsegeln des Kaps der Guten Hoffnung Schiffbruch erlitt. Lesson schaffte es nach Frankreich zurück, Varanus douarrha hingegen geriet in Vergessenheit.

foto: valter weijola
Da es in Australien und der umgebenden Inselwelt lange Zeit an Raubsäugern mangelte, konnten dort Warane einige von deren ökologischen Nischen besetzen.

Zwar wusste man, dass auf Neuirland Warane leben – sie sind kaum halb so lang wie der bekannte Komodowaran, aber immer noch unübersehbar –, doch hielt man sie für Exemplare des weit verbreiteten Pazifikwarans.

Erst bei seinen Feldstudien fand Weijola heraus, dass man Lessons verschwunden geglaubte Spezies die ganze Zeit vor Augen hatte: Eine genaue morphologische Untersuchung und DNA-Analysen zeigten, dass es sich um eine eigene Spezies handelt, die sich in der Isolation der Insel von ihren Verwandten abspaltete. Es ist der letzte Überrest einer Fauna, die es nur auf Neuirland gab und die mit der Ankunft des Menschen verschwunden ist. (jdo, 6. 5. 2017)

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