Libellenweibchen stürzen "tot" zu Boden, um Verehrern zu entgehen

7. Mai 2017, 17:02
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Torf-Mosaikjungfern täuschen plötzlichen Exitus gekonnt vor und schrecken so ihre lästigen männlichen Verfolger ab

Zürich/Wien – Rassim Khelifa, Biologie-Doktorand der Uni Zürich, ist Odonatologe, also ein Erforscher von Libellen. Als er eines Tages in den Schweizer Bergen Larven der Torf-Mosaikjungfer sammelte, machte er eine irritierende Beobachtung: Eine weibliche Libelle, die von einem Männchen verfolgt wurde, fiel mitten im Flug bewusstlos zu Boden und verharrte dort regungslos am Rücken.

Der männliche Verfolger beäugte das Weibchen ein paar Sekunden und schwirrte ab. Wieder einige Sekunden später erhob sich das Weibchen und flog ebenfalls davon, als ob nichts gewesen wäre. Khelifa ging der Sache auf den Grund, und weitere Beobachtungen zeigten, dass dieses seltsame Verhalten keine Ausnahme war.

Ziemlich erfolgreiche Taktik

Im Fachblatt "Ecology" dokumentierte der Biologe und Ökologe immerhin 31 solcher mutwilliger Abstürze, von denen 27 eindeutig im Zusammenhang mit zudringlichen Avancen männlicher Libellen standen. In 21 Fällen hatte die Totstelltaktik Erfolg.

Der Forscher liefert auch gleich noch eine spezielle odonatologische Erklärung für das Verhalten, das auch von einer Spinnen-, einer Gottesanbeterinnen- und zwei Fliegenarten bekannt ist: Bei diesen Libellen reicht eine Kopulation, um die Eier zu befruchten. Und ein weiterer Sexualakt könnte den Reproduktionstrakt der Mosaikjungfern beschädigen. (tasch, 7.5.2017)

  • Die Weibchen der Torf-Mosaikjungfer sind begabte Schauspielerinnen. Ihre Spezialrolle: sterbender Schwan.
    jörg hempel

    Die Weibchen der Torf-Mosaikjungfer sind begabte Schauspielerinnen. Ihre Spezialrolle: sterbender Schwan.

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