Waldbesitzer verlieren sich im Dickicht der Bürokratie

2. Mai 2017, 17:07
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Forstbetriebe klagen über Grenzen beim Einsatz von Traktoren und ausweispflichtiges Schaf-Fett für Jäger

Wien – Dass Österreichs Forstbesitzer unter Kalamitäten wie Klimawandel und Borkenkäfern ächzen, hat schon fast Tradition. Neu ist, dass viele angesichts ausufernder Bürokratie beinahe den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen. 80 Prozent der Administration der Betriebsbüros beschäftigten sich nicht mehr mit der eigenen Produktion, sondern mit "irgendwelchen Statistiken und Protokollen, Nachweisen und Zusammenstellungen", klagt Felix Montecuccoli. Jede unternehmerische Aktivität werde im Keim erstickt.

Der Präsident der Land- und Forstbetriebe fürchtet, dass sich seine Branche in einem Dickicht an "detailverliebten Überregulierungen" verheddert. Er erzählt von Traktoren, die zwar für den Forstbetrieb, nicht aber für ein Gewerbe im Einsatz sein dürften. Was im Übrigen auch für die Arbeitnehmer in der Waldbewirtschaftung gelte.

Langer Arm der Behörden

Er selbst habe in Gebäuden aus dem Altbestand Christbaumkreuze fertigen wollen und wurde mit dem Erstellen von drei Bilanzen für ein und dasselbe Unternehmen konfrontiert. Der lange Arm der Behörden reicht bis hin zu den jungen Knospen der Bäume: Um sie vor dem Biss des Wildes zu bewahren, bedarf es spezieller weißer Farbe aus Schaf-Fett. Diese gilt als Pflanzenschutzmittel – wofür es wiederum entsprechende Ausweise je Bundesland braucht. Vielen Jägern sei es damit nun per Gesetz verwehrt, die Farbe mit Fetzen auf die Bäume zu schmieren.

Montecuccolis Kritik macht vor Brüssel nicht halt. Seine Branche reibt sich etwa am Nachweis darüber, dass alles Holz, das sie erntet, auch tatsächlich ihr eigenes ist. "Es gibt keine unklaren Besitzverhältnisse in Europa. Und wenn etwas gestohlen wird, weiß man in der Regel von wem." Die Situation hier sei nicht mit jener in Ländern vergleichbar, in denen ganze Dörfer riesigen Palmölplantagen weichen müssten: "Europa löst gerne Weltprobleme. Die Lösung jedoch schlägt bei uns auf, während die Weltprobleme weiter bestehen."

Aus Montecuccolis Sicht werde nachhaltige Waldbewirtschaftung in Europa ausreichend durch das Gütesiegel PEFC gewährleistet. 70 Prozent der österreichischen Flächen seien bereits entsprechend zertifiziert. Es gebe also keinerlei Bedarf, das anders zu regeln.

Forderung nach weniger Regulierungen

Was er von der Politik fordert: weniger Regulierungen, günstigere, einfachere Kontrollen und die Reduktion der Einkunftsarten. So müsse der Wechsel von unselbstständiger in selbstständige Arbeit leichter zu bewerkstelligen sein.

Rund 200.000 Österreicher nennen einen Wald ihr Eigen. Unterm Strich sank ihr Holzeinschlag im Vorjahr um vier Prozent auf knapp 17 Millionen Festmeter, was einem Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro entspricht.

Die Industrie, die folglich mehr Holz importieren muss, freute es nicht, die Forstbesitzer schon. Sie mussten nämlich weniger Schadholz schlägern als 2015, als Sturm und Schnee die Bäume knickten. Die Preise für Fichte und Tanne drehten nach einer kurzen Delle wieder nach oben und übersprangen die 90 Euro pro Festmeter.

Der gefürchtete Borkenkäfer gewann zuletzt zwar weiter an Boden, zeigte sich aber weniger umtriebig als erwartet. Auch der starke Niederschlag meinte es gut mit den Bäumen, was sich künftig an den breiten Jahresringen ablesen lassen wird. Neue Unbill bahnte sich freilich von anderer Seite an.

Esche in Not

Ein aus Osteuropa zugewanderter Schlauchpilz setzt derzeit den Eschen hart zu. Hat er einmal ihre Blätter befallen, werden aus runden Baumkronen zerfledderte Büschel. Der geschwächte Baum ist Nährboden für weitere Pilze, die ihn letztlich beim kleinsten Windhauch ganz aus den Wurzeln kippen lassen. Ganze Waldgebiete sind deswegen bereits gesperrt. Die Esche ist nach Buche und Eiche der dritthäufigste Laubbaum in Österreich. Wissenschafter suchen genetische Ableger pilzresistenter Individuen. Das Projekt ist freilich ein langfristiges. (vk, 2.5.2017)

  • Der Holzeinschlag sank im Vorjahr um vier Prozent, der Schadholzanteil war geringer als befürchtet.
    foto: getty images/istockphoto

    Der Holzeinschlag sank im Vorjahr um vier Prozent, der Schadholzanteil war geringer als befürchtet.

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