"Kommando Abstellgleis": Käuze im Ausgedinge

    3. Mai 2017, 10:27
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    Sophie Hénaffs witziges Debüt mit zwei ungelösten Mordfällen und unorthodoxen Methoden

    Die Idee ist bestechend. Polizeibeamte, die unkündbar, aber unbrauchbar sind, steckt man in eine eigens gegründete Abteilung, die keinen klaren Auftrag hat. Die Chefin einer solchen Truppe ist Anne Capestan. Sie hat sich dieses Schicksal selbst zuzuschreiben, weil sie in blinder Wut einen Kinderquäler erschossen hat.

    Das würde ihre Entlassung rechtfertigen, aber man hat ihr eine letzte Chance gegeben und sie aufs Abstellgleis geschoben. Anne zieht also mit ein paar Kisten alter Bagatellfälle in desolate Räumlichkeiten ein und versucht mit Alkoholikern, Depressiven und einer durch Drehbuchschreiben für TV-Krimiserien reich gewordenen Kollegin Corpsgeist aufzubauen.

    In den Akten finden sich zwei ungelöste Mordfälle, und da es sonst wenig tun gibt, greifen die Käuze im Ausgedinge zu unorthodoxen Methoden. Wer ganz unten ist, kann nicht tiefer fallen, auch eine Form von Freiheit. Sophie Hénaffs witziges Debüt aus Paris verspricht eine Fortsetzung. Gut so. Man unterhält sich bestens. (Ingeborg Sperl, Album, 3.5.2017)

    Sophie Hénaff, "Kommando Abstellgleis". Deutsch: Katrin Segere. € 15,50 / 344 Seiten. carl's books, München 2017

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      foto: carl's books
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