"Guten Morgen Österreich" über Körpersprache: Saufen mit dem Chef

2. Mai 2017, 16:42
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Bei Bewerbungen ist etwa nur selten ratsam, die Körpersprache eines Andreas Gabalier zu imitieren

Wer behauptet, die Konsumation von Frühstücks-TV würde nur belegen, dass der Betroffene die Kontrolle über sein Leben verloren habe, irrt. Skeptiker unterschätzen eine kostbare Quelle der Alltagsbildung. Es geht dabei – auch im Falle von Guten Morgen Österreich – nie darum, zum Sonnenaufgang das pädagogisch Wertvolle wörtlich zu konsumieren.

Bisweilen sind es die seltsamen Ratschläge, die einen reinigenden Schock auslösen und zur Selbsterziehung beitragen. Bisweilen reicht auch die Bestätigung dessen, was längst vermutet wurde. Hypothesen reifen so zur Erkenntnis.

Zum Beispiel war den meisten womöglich bewusst: Bei Bewerbungen und Gehaltsverhandlungen ist nur selten ratsam, die Körpersprache eines Andreas Gabalier zu imitieren. Er feiert ja als "Bauchbalztänzer" (Konzertszenen wurden gezeigt) zu Recht spektakuläre Bühnenerfolge. Also: Außer jemand möchte sich für die Chippendales bewerben, keine Sexsignale an den Gehaltgeber – das zu betonen war dem Körpersprachexperten Stefan Verra sechs Stunden nach Mitternacht auf ORF 2 ein ehrliches Anliegen.

Er lud zwecks Verdeutlichung auch zum Gedankenexperiment: Man möge sich vorstellen, mit Vorgesetzten in der Kneipe zu stehen und übers Gehalt zu reden. Der lockere Tonfall sei passend auch für echte Verhandlungen. Ob zum Bürogespräch eine Kiste Bier mitzubringen sei, um mit dem Vorgesetzten anstoßend die Kneipensituation zu simulieren, ließ Verra aber offen. Ist zu kritisieren. Womöglich werden demnächst Seher vor Chefs wirken, als hätten sie die Bierkontrolle über ihr Leben verloren. Das Morgen-TV sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein. (Ljubiša Tošic, 2.5.2017)

  • Körpersprache Stefan Verra bei "Guten Morgen Österreich".
    foto: screenshot / orf tvthek

    Körpersprache Stefan Verra bei "Guten Morgen Österreich".

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