"Homo" in Villach: Schwere Wege zum Selbst

2. Mai 2017, 16:34
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Biografischer Spießrutenlauf vor und nach dem Outing an der neuen Bühne in Villach

In Platons Gastmahl erklärt Aristophanes die Heterosexualität zur Notlösung. So weit geht Katrin Ackerl Konstantins Produktion Homo an der neuen Bühne in Villach nicht. Hier schildern eine Lesbierin und ein Homosexueller den biografischen Spießrutenlauf vor und nach ihrem Outing, um sich am Ende nur zu wünschen, als normal angesehen zu werden. Normal, das heißt, nicht krank, nicht vom Teufel besessen, nicht pervers.

Es geht in der Liebe doch um den Zusammenklang der Seelen und nicht um die Beschaffenheit der Körper. Aber da sind die Kirche und die ÖVP davor, die Mütter und Väter und der allergrößte Teil der Umgebung. Das Stück beruht auf Recherchen der Regisseurin, die vom türkischstämmigen Münchner Autor Emre Akal zu einer recht klaren, sporadisch in der Übertriebenheit der Umweltreaktionen humorvollen, aber auch poetischen Spielvorlage verarbeitet wurden. Jan Hutter spielt den Ehemann, der es sich nicht leicht macht, Frau und Kind zu verlassen, um seine Orientierung nicht länger verleugnen zu müssen. Sogar eine wirkungslose psychologische Behandlung und einen Exorzismus hat er davor auf Wunsch seiner Frau über sich ergehen lassen.

Alternierend zu seinem Bericht beleuchtet Natalie Ananda Assmann das Thema von der anderen Seite: Sie ist eine 30-jährige Frau, die es erst nach zwölf Jahren übers Herz bringt, der Mutter, einer armenischen Türkin, ihr Verhältnis mit einer Frau zu gestehen. Ob des Entsetzens der Mutter ist sie bereit, das Verhältnis zu beenden, leidet aber so, dass sich die Mutter dann doch noch lieber mit dem Unvermeidlichen abfindet. Am schönsten und traurigsten ist der Schluss. Während ihre Körper in paradiesischer Nacktheit im Hintergrund als Projektionen durch eine Traumwelt wandeln, beschließen beide, den Garten Eden freiwillig zu verlassen.

Er ist nicht der Ort, an dem man leben kann, wie man will. Und mehr Skrupel und Gedanken, als sie sich jetzt schon machen, kann der Genuss eines Apfels auch nicht verursachen. (elce, 2.5.2017)

Bis 20. Mai

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Neue Bühne Villach

  • Katrin Ackerl Konstantins "Homo" in Villach.
    foto: patrick connor klopf

    Katrin Ackerl Konstantins "Homo" in Villach.

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