Italiens Sozialdemokraten: Renzis Machtpoker

Kommentar2. Mai 2017, 15:12
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Italiens Ex-Premier will zurück an die Spitze. Ob die Italiener das aber auch wollen, ist noch keineswegs sicher

Sein Comeback als Parteichef der italienischen Sozialdemokraten feierte Matteo Renzi als "Fest der Demokratie" – und tat so, als habe allein er die Partei aus der Finsternis der Verzweiflung ins helle Licht der Zuversicht geführt. Was Renzi geflissentlich übersieht: Er selbst hat großen Anteil daran, dass seine Partei heute bis an die Grenze der Belastbarkeit zerstritten ist und dass sich Teile von ihr sogar abgespalten haben.

Renzi hatte im vergangenen Jahr den Fehler begangen, den Ausgang eines Verfassungsreferendums mit dem eigenen politischen Schicksal zu verbinden, und damit Schiffbruch erlitten – ähnlich wie ein halbes Jahr zuvor der Brite David Cameron in Sachen Brexit. Auch Italiens selbsternannter "rottamatore" (Zerstörer, Bulldozer) trat von allen Ämtern zurück – aber nicht, um zu schmollen, sondern um hartnäckig am Comeback zu basteln. Das hat er geschafft: Jetzt ist er nicht nur wieder Parteichef, sondern auch Spitzenkandidat, egal wann gewählt wird.

Doch schon wieder droht Renzi zum Opfer seines übersteigerten Selbstbildes zu werden: So wie die TV-Figur Frank Underwood aus "House of Cards" kam Renzi nur durch parteiinterne Spielchen an die Macht. Eine Volkswahl zu gewinnen, das ist schon eine ganz, ganz andere Sache. Und dass Renzi Probleme mit den Wählern haben dürfte, zeigte schon das Referendum im Dezember. 60 Prozent sagten damals "No, grazie". Vor allem wegen Renzi. (Gianluca Wallisch, 2.5.2017)

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