Rechte Opposition gegen Papst-Vermittlung

2. Mai 2017, 10:31
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"MUD" hatte Papst Franziskus zuvor um Hilfe ersucht

Caracas/Vatikanstadt – In der schweren Krise in Venezuela ist nach einmonatigen blutigen Protesten keine Lösung in Sicht: Die rechtsgerichtete Opposition lehnte am Sonntag ein Vermittlungsangebot von Papst Franziskus ab. Ohne Garantien und "sehr klare Bedingungen" sei ein Dialog mit der sozialistischen Regierung von Präsident Nicolas Maduro sinnlos, erklärte das Oppositionsbündnis MUD.

Der MUD (Mesa de Unidad Democratica/Tisch der demokratischen Einheit) hatte den aus Argentinien stammenden Papst zuvor freilich in einem offenen Brief um Hilfe für das lateinamerikanische Land gebeten.

Die Regierungsgegner machen den sozialistischen Präsidenten für die schwere Wirtschaftskrise in dem ölreichen südamerikanischen Land verantwortlich. Die außer Kontrolle geratene Inflation wird nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in diesem Jahr auf 720 Prozent steigen. Wegen Versorgungsengpässen gab es in Venezuela schon mehrfach schwere Unruhen und Plünderungen.

Gewalttätige Proteste

Das Land mit den größten Ölreserven ist stark katholisch geprägt und der Vatikan einer der wenigen Vermittler, der von allen akzeptiert wird. Bei Massenprotesten der Opposition gab es seit dem 1. April immer wieder Zusammenstöße mit Sicherheitskräften und Anhängern des Staatschefs. Dabei wurden 30 Menschen getötet und rund 500 verletzt. Auslöser der Proteste war die kurzzeitige Entmachtung des Parlaments, das von der Opposition kontrolliert wird.

Die Opposition kämpft zudem für vorgezogene Parlamentswahlen und eine Volksabstimmung über eine Absetzung des Staatschefs, dessen Mandat regulär im Jänner 2019 endet. Maduro hatte zuletzt Regionalwahlen in Aussicht gestellt, aber noch keinen Termin dafür genannt.

Papst Franziskus bot erneut seine Hilfe bei der Beilegung der Krise an, allerdings unter "klaren Bedingungen", wie er auf dem Rückflug von seinem Besuch in Ägypten sagte. Einzelheiten nannte er zunächst aber nicht. Im vergangenen Jahr waren Vermittlungen unter der Schirmherrschaft des Vatikans gescheitert.

Maduro begrüßte das neue Angebot des Papstes und warf der Opposition vor, sich einem Dialog zu verweigern. "Wenn ich Dialog sage, ergreifen sie die Flucht", sagte der Präsident in seiner Sendung. "Sie wollen keinen Dialog. Gestern haben sie auf Papst Franziskus eingeschlagen. Ich respektiere, was Papst Franziskus sagt."

Das Oppositionsbündnis MUD hatte eine Wiederaufnahme des Dialogs zuvor in einem Brief an den Papst abgelehnt. Acht südamerikanische Länder, darunter Brasilien und Argentinien, stellten sich dagegen hinter das Vermittlungsangebot des Papstes. Sie forderten in einer Erklärung aber ebenfalls "sehr klare Bedingungen". (APA, AFP, 2.5.2017)

  • Im Juni 2013 gewährte Papst Francisco Präsident Maduro eine Privataudienz
    foto: apa/epa

    Im Juni 2013 gewährte Papst Francisco Präsident Maduro eine Privataudienz

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