Weniger Ausbildung für Wirtschaftsprüfer – ein Irrweg

2. Mai 2017, 13:53
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Wer Steuerberatung nicht beherrscht, wird auch nicht die Fehler in einem Jahresabschluss finden können

Graz – Wer weniger von der Sache versteht und wenig Erfahrung hat, soll in Zukunft leichter Fehler finden. Diese Weisheit hat sich die Kammer der Wirtschaftsprüfer zu eigen gemacht. Dank erfolgreichen Lobbyings gibt es nun einen Gesetzesentwurf, der die Berufsgruppen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer trennen soll. Der stufenmäßige Aufbau – zuerst wird man Steuerberater, dann erst kann man sich weiter zum Wirtschaftsprüfer ausbilden – soll fallen.

Argumentiert wird, dass es zu wenig Wirtschaftsprüfernachwuchs gebe, denn wer tue sich eine so lange Ausbildungszeit von fast zehn Jahren noch an? Es heißt sogar: In der Steuerberatung arbeiten zu müssen sei abschreckend, wenn jemand nur Wirtschaftsprüfer werden wolle.

Nur: Was bedeutet eigentlich Wirtschaftsprüfung? Ein Wirtschaftsprüfer muss den Jahresabschluss eines Unternehmens nach bestem Wissen und Gewissen testieren. Alles muss dokumentiert sein, denn sollte das Unternehmen darauf folgend in Konkurs gehen, wird der Masseverwalter sicher fragen, warum unter dem Aspekt der Fortführung das Testat unterschrieben wurde und warum Fehldarstellungen nicht aufgezeigt wurden.

Lange Ausbildungspflicht

Wer da nicht lückenlos dokumentiert hat, warum man der Meinung war, dass das Unternehmen weiter bestehen kann und welche Prüfungshandlungen gesetzt wurden, kommt schnell in eine Haftung und daran anschließend zu einer Klage wegen Fehlprüfung. Und die kann teuer werden.

Dass es rund 2000 eingetragene Wirtschaftsprüfer gibt, davon jedoch wahrscheinlich nur 700 bis 800 aktiv sind, hat sichtlich nichts mit der langen Ausbildungspflicht zu tun, sondern mit den Haftungssummen, die sich kleinere Kanzleien oder Einzelkämpfer nicht leisten können.

Denn die steigen bei großen Unternehmen schon auf bis zu zwölf Millionen Euro. Wie soll jemand, der keine Bilanz erstellen kann, wenig Erfahrung und kein umfassendes Wissen in steuerrechtlichen sowie gesellschaftsrechtlichen Fragen hat, dann die richtigen Fragen stellen?

Geringeres Gehaltsniveau

Die Ausbildung zu überdenken, eventuell etwas zu verkürzen, dagegen spricht gar nichts. Den zukünftigen Wirtschaftsprüfern aber nicht einmal ein Minimum an steuerlicher Ausbildung zukommen zu lassen, wird zu einem geringeren Gehaltsniveau führen. Und Wirtschaftsprüfer, die nur mit Checklisten bestückt sind, keine Ahnung haben, wie sich eine Bilanz zusammensetzt, und einfach nur Kennziffern "abhaken" müssen, werden wohl in Zukunft auch nicht reichen, um falsch testierte Jahresabschlüsse zu vermeiden.

Die meisten Probleme sind auch jetzt schon dort zu finden, wo Praktikanten die Checklisten abarbeiten und der Wirtschaftsprüfer nur seine Unterschrift daruntersetzt. Denn wer keine Erfahrung hat, kann auch keine kniffligen und daher notwendig "lästigen" Fragen stellen. Wer im Unternehmen kein Standing hat, weil er nur einmal im Jahr zwecks Prüfung vorbeischaut, wird auch keine Informationen erhalten, die aber oftmals ausschlaggebend sind, um die Zukunft eines Unternehmens richtig deuten zu können.

Sobald die ersten Fehlentwicklungen sich manifestieren, werden wir noch weniger Berufsanwärter haben. Nur wer macht dann die Arbeit? (Friedrich Spritzey, 2.5.2017)

Friedrich Spritzey ist Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und geschäftsführender Gesellschafter der SOT-Süd-Ost-Treuhand-Gruppe. graz@sot.co.at

  • Der stufenmäßige Aufbau – zuerst wird man Steuerberater, dann erst kann man sich weiter zum Wirtschaftsprüfer ausbilden – soll fallen.
    foto: ap / joerg sarbach

    Der stufenmäßige Aufbau – zuerst wird man Steuerberater, dann erst kann man sich weiter zum Wirtschaftsprüfer ausbilden – soll fallen.

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