Weißbuch Bundesmuseen: Nur ja nicht in die Schublade!

Kommentar1. Mai 2017, 12:20
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Das von Kulturminister Drozda beauftragte Reformpapier für die Bundesmuseen kann sich sehen lassen. Zur Umsetzung bleibt wenig Zeit

Nun ist es also da, das von Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) im Herbst 2016 in Auftrag gegebene Weißbuch zur Reform der österreichischen Bundesmuseen. Auslöser für dessen Erarbeitung war die Compliance-Causa um Ex-Belvedere-Chefin Agnes Husslein-Arco. Befürchtungen, der Minister werde nach der unangenehmen Sache eine Beruhigungspille verordnen und ein paar Feigenblätter präsentieren, bewahrheiteten sich nicht: Die 115 Seiten, verfasst von zwei unabhängigen Expertengruppen, verdienen die Bezeichnung Weißbuch durchaus. Jetzt liegt es an Drozda, es nicht wie frühere Konzepte in der Schublade verschwinden zu lassen.

Die Absage des Ministers an das im Raum stehende Modell, die Museen analog zu den Bundestheatern in einer Holdingsstruktur zu vereinigen oder sie gar mit den Bühnen zu einer Super-Kulturholding des Bundes zu fusionieren, ist zu begrüßen und nach den Erfahrungen mit dem Burgtheater-Desaster auch gut nachvollziehbar. Zu evident scheint in diesem Land die Gefahr, beim Dirigieren allzu großer Strukturen einen millionenschweren Kontrollverlust zu erleiden.

Jenes Modell, das Drozda ins Auge fasst, sollte sich leicht und kostensparend umsetzen lassen. Und es ist tatsächlich bodenständiger als sein gestelzter Name vermuten lässt: "Strategisches Beteiligungsmanagement durch das Bundeskanzleramt". Konkret heißt das, dass die bisher mehr am Papier als im museumspolitischen Alltag verankerte Direktorenkonferenz, in der die wissenschaftlichen Leiter der Museen in regelmäßigen Sitzungen ihr Vorgehen diskutieren und abstimmen sollten, eine massive Aufwertung erfährt.

Mehr inhaltliche Kooperation

Allein der neue Name "Bundesmuseenkonferenz" spricht für sich: Statt egoistischer Alleingänge einzelner Direktoren soll mehr Kooperation auf inhaltlicher wie wirtschaftlicher Ebene zwischen den Häusern Einzug halten. Vorsitz, Beratung und Moderation der Konferenz fällt dem Ministerium zu – dieses wiederum erhält museumspolitisches Knowhow durch einen ständigen wissenschaftlichen Expertenbeirat, der seine Empfehlungen im Internet veröffentlichen soll. Ein guter, nach internationalem Standard längst überfälliger Schritt.

Stellschrauben, an denen in dem neuen Gremium gedreht werden sollte, gibt es genügend: Gemeinsame Compliance-Bestimmungen, mehr Verteilungsgerechtigkeit durch einen Rahmenkollektivvertrag und Eindämmung der Direktoren-Spitzengehälter, konkrete Richtlinien für Sammlungserweiterungen durch private Leihgaben, enge inhaltliche Zusammenarbeit und nicht zuletzt eine wünschenswerte gemeinsame Jahreskarte für alle Bundesmuseen. Auch an eine Zweckwidmung von Teilen der Basissubvention sollte gedacht werden. Ihren beachtlichen Besucherboom seit der Ausgliederung haben die Museen nämlich auch durch fettere Marketingbudgets zulasten der wissenschaftlichen Aufgaben erreicht.

Viel Zeit wird Drozda wegen der drohenden Neuwahl nicht bleiben. Und auch an der Glaubwürdigkeit gilt es zu arbeiten. Denn mit dem umstrittenen Dauerleihgaben-Deal zwischen der Albertina und der Sammlung Essl, der in der Direktorenkonferenz nicht abgesprochen wurde, haben er und Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder zuletzt das genaue Gegenteil dessen getan, was im Weißbuch gefordert wird. (Stefan Weiss, 1.5.2017)

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