VSStÖ: Mit Luftballons und gegen den Parteichef

Video3. Mai 2017, 06:00
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Die roten Studierendenvertreter halten Zugangsbeschränkungen weiterhin für die falsche Lösung

Wien – Luftballone in Orange, Lila, Rot, Blau, Grün und Gelb stecken an einer Pinnwand. Darüber steht auf weißen Zetteln in schwarzer Schrift, was aus Sicht der roten Studierendenvertreter das Uni-Leben schwer macht. Zum Beispiel: "Seit 1999 Studienbeihilfe nicht an Inflation angepasst." Ebenfalls vertreten sind hohe Mieten, Armutsgefährdung von Studierenden, Zugangsbeschränkungen, Aufnahmeprüfungen, Studiengebühren.

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Video: Hanna Lutz findet das meiste, aber nicht alles an der bisherigen ÖH-Arbeit gut.

Studierende, die vor dem Juridicum in Wien an der Pinnwand vorbeikommen, sollen die Luftballone mit Dartpfeilen zum Platzen bringen. "Die Themen sind komplex, und so kommen wir ins Gespräch", erklärt Hanna Lutz (22), Spitzenkandidatin des Verbands Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ).

Linke Koalition als Wunsch

Die roten Studierendenvertreter wollen bei der ÖH-Wahl von 16. bis 18. Mai wieder dazugewinnen. Bei der Wahl 2015 hatten sie zwei Prozentpunkte verloren und waren mit 15 Prozent an dritter Stelle hinter den Grünen Alternativen StudentInnen (Gras) gelandet. Als Ziel nennt Lutz außerdem, wieder Teil einer Koalition für die Exekutive zu sein. Am liebsten gemeinsam mit der Gras und den parteiunabhängigen Fachschaftslisten. Verhandlungen kann sich Lutz mit allen Fraktionen außer dem Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) vorstellen.

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Die Luftballone sollen dabei helfen, leichter mit potenziellen Wählern ins Gespräch zu kommen.

Der VSStÖ ist einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker von SPÖ-Chef Christian Kern. "Es gibt eine Gesprächsbasis, aber wir sind uns nicht einig", sagt Lutz. Nicht zuletzt aufgrund der Position Kerns für die Einführung einer Studienplatzfinanzierung, die auch Zugangsbeschränkungen bringen würde. "Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", sagt Lutz. "Die Partei besteht nicht nur aus der Spitze." Innerhalb der Partei sei nicht beschlossen worden, die Linie für einen freien Hochschulzugang aufzugeben. "Ein interner Diskurs ist nötig." Ob es zu einer parteiinternen Abstimmung unter den Mitgliedern kommen soll, lässt Lutz offen. "Bei uns gibt es keine Blanko-Ermächtigung für den Parteivorsitzenden", stellt sie fest.

Mehr Orientierung

Die Jus-Studentin ist sich jedenfalls sicher, dass Zugangsbeschränkungen der falsche Weg sind. "Sie schrecken Studierende ab, vor allem solche, die keine Unterstützung zu Hause haben." Aufnahmeverfahren würden viele vor eine große Herausforderung stellen. "Ich habe zum Beispiel in der Schule nie gelernt, wie man ein Bewerbungsschreiben verfasst."

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Gratiskaffee und -kuchen dürfen beim Wahlkämpfen vor dem Juridicum nicht fehlen.

Zudem würden Zugangsregeln nichts am Hauptproblem der überfüllten Massenstudien ändern. Derzeit seien Maturanten zu wenig informiert und würden "ins Blaue hinein" entscheiden, was sie studieren. "Eine bessere Orientierung ist nötig." Gelingen soll das etwa mit Videos von Vorlesungen, die von den Universitäten ins Netz gestellt werden sollen. "Nicht jeder kann aus seinem Bundesland an die Uni fahren und sich das selbst anschauen." Ein besseres Orientierungsangebot könnten die Universitäten gemeinsam mit ÖH und Wissenschaftsministerium anbieten, schlägt Lutz vor. "Die ÖH kann das nicht alleine stemmen."

Der erste Schritt in der Hochschulpolitik müssten zudem mehr Professoren statt weniger Studierende sein.

An diesem Tag kommen kaum Interessierte zum Stand des VSStÖ. Das dürfte aber vor allem an Wind und Regen liegen. Die Luftballone bringen die Funktionäre für die Kamera selbst zum Platzen. (Lisa Kogelnik, 3.5.2017)

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