Verhafteter deutscher Soldat soll "Todesliste" geführt haben

30. April 2017, 13:20
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Medien: Asylakte weist zahlreiche Mängel auf

Berlin – Der terrorverdächtige und als Flüchtling registrierte deutsche Bundeswehrsoldat soll laut Medienberichten eine Liste mit möglichen Anschlagsopfern geführt haben. "Mein Name stand auch auf der Liste des mutmaßlichen Rechtsterroristen Franco A. Darüber hat mich das LKA (Landeskriminalamt, Anm.) gestern informiert", schrieb etwa die Berliner Linken-Abgeordnete Anne Helm am Samstag auf Twitter.

Die Polizei konnte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) dazu am Sonntag nichts sagen. Auch der "Bild"-Zeitung berichtete ein politischer Aktivist: "Ich wurde vom Landeskriminalamt Berlin informiert, dass der festgenommene Soldat eine Todesliste geführt habe, auf der Anschlagsziele gestanden hätten."

Der in Frankreich stationierte Soldat sitzt nach seiner Festnahme vergangenen Mittwoch in Frankfurt in Untersuchungshaft. Er soll, als Flüchtling getarnt, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben. Der in Frankreich stationierte Oberleutnant flog auf, als er eine am Flughafen Wien in einem Putzschacht einer Toilette versteckte scharfe Pistole wieder holen wollte. Die österreichischen Behörden nahmen Franco A. nicht fest, informierten aber ihre deutschen Kollegen. Bisher schweigt der 28-Jährige zu den Vorwürfen.

Asylakte mit Mängeln

Unterdessen gibt die Tatsache, dass sich der 28 Jahre alte Deutsche ohne Arabisch-Kenntnisse im Asylverfahren glaubhaft als Syrer ausgeben konnte, weiter Rätsel auf. Wie die "Nürnberger Zeitung" laut dpa berichtete, weist die Asylakte des Terrorverdächtigen zahlreiche Mängel und Ungereimtheiten auf. So habe das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) früh Hinweise bekommen, dass der Antragsteller unter seiner angeblichen Identität kaum in Erscheinung trat. Das BAMF war am Sonntag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Franco A. hatte unter dem Namen David Benjamin Asyl beantragt. Bei der Anhörung gab er dem Zeitungsbericht zufolge an, am 8. Februar 1988 geboren zu sein. Er sei Syrer, Christ und gelernter Landwirt und werde wegen seines Glaubens verfolgt. Außerdem sei er wegen seines jüdisch klingenden Namens in Syrien nie akzeptiert worden. Geflohen sei er nach einem Angriff des "Islamischen Staates". Sein Vater sei getötet, er selbst durch einen Granatsplitter verletzt worden.

Dazu habe es weder Nachfragen gegeben, noch sei die Verletzung entgegen den Gepflogenheiten überprüft worden, schreiben die "Nürnberger Nachrichten" unter Berufung auf das Anhörungsprotokoll. Im Asylbescheid vom 16. Dezember 2016 habe Franco A. einen Schutzstatus wegen des Bürgerkrieges in Syrien, nicht aber aufgrund religiöser Verfolgung erhalten. (APA, 30.4.2017)

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