"Republik": Bisher zahlreichste Crowd für Medienprojekt

    28. April 2017, 16:46
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    "Offenbar sind die Leser nicht zufrieden mit dem, was ihnen heute geboten wird", sagt Constantin Seibt, Mitbegründer des schweizer Digital-Magazins

    In der Schweiz entsteht eine neue "Republik": ein unabhängiges Online-Magazin, das mit einem erfolgreichen Crowdfunding gestartet ist. Innert 48 Stunden haben mehr als 8000 Personen deutlich über zwei Millionen Franken als Abonnenten und künftige "Mitverleger" der "Republik" zugesagt. So erfolgreich war weltweit noch nie ein Crowdfunding für ein Medienprojekt.

    Zudem haben einige Mäzene aus der Privatwirtschaft weitere 3,5 Millionen Franken zugesichert, darunter die Erben des Brandmelder-Herstellers Meili, die schon in der Vergangenheit mit ihrem Vermögen ideelle Projekte unterstützt hatten, von einer neuen Buchhandlung für Architektur, Design und Kunst in Zürich bis zu einem nationalen Volksbegehren für eine Erbschaftssteuer. Die Mäzene versprechen, sich inhaltlich nicht einzumischen, sondern der "Republik" unabhängigen, werbefreien und aufwendigen Hintergrund-Journalismus zu ermöglichen. Täglich sollen mehrere neue Artikel online gestellt werden –große Recherchen und aktuelle, politische Analysen, breite Debatten ohne ideologische Schlagseite.

    Digitale Häppchen statt ernsthaftem Journalismus

    "Wir machen eine Rebellion für guten Journalismus, für gutes Handwerk, für solide Arbeit", sagt der "Republik"-Mitbegründer Constantin Seibt, der für das Wagnis seine sichere Stelle als Reporter beim "Tages-Anzeiger" aufgegeben hat, zum STANDARD. "Offenbar sind die Leser nicht zufrieden mit dem, was ihnen heute geboten wird."

    Die Großverlage wie Ringier oder Tamedia setzen in der Tat zunehmend nur noch auf digitale Häppchen, auf Entertainment und E-Commerce statt auf ernsthaften Journalismus; oder aber sie driften, anstatt breit und unvoreingenommen zu informieren, ideologisch immer weiter nach rechts, wie die "Basler Zeitung", die "NZZ" oder die "Weltwoche". Beide Entwicklungen seien gefährlich für die Demokratie, sagt Seibt, da diese auf mündige und gut informierte Bürger setze. Deshalb auch der etwas hochtrabende Name: Die "Republik" soll die res publica stärken. (Klaus Bonanomi, 29.4.2017)

    • "Wir machen eine Rebellion für guten Journalismus", sagt der "Republik"-Mitbegründer Constantin Seibt
      foto: republik.ch

      "Wir machen eine Rebellion für guten Journalismus", sagt der "Republik"-Mitbegründer Constantin Seibt

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