Gefälschte Signaturen: Von Moser zu Hodler

29. April 2017, 17:00
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Gefälschte Signaturen gehörten am Beginn des 20. Jahrhunderts zur beliebtesten Betrugsvariante. Belegt etwa über die Affäre Quittner und ein als Hodler getarntes Gemälde von Kolo Moser

Fälschungen sind, wie man weiß, kein Spezifikum der Gegenwart, sondern begleiten den Kunstmarkt seit seinen Anfängen. Die mit Abstand beliebteste, weil einfachste Betrugsvariante: Werke mit falschen Signaturen zu versehen. Das war bereits im frühen 20. Jahrhundert so, wie zahlreiche Fälle belegen.

Ein an Skandalen besonders ergiebiges Jahr war beispielsweise 1911. Im Juli stand etwa Giovanni Segantinis Sohn wegen Betrugs und Urkundenfälschung in Berlin vor Gericht. Mario Segantini war ebenfalls Maler, allerdings nur ein minder erfolgreicher. Zur Finanzierung seines Lebensunterhaltes signierte er eigene Werke mit dem Namen des Vaters. 23 Bilder insgesamt, die er sodann veräußerte. Das Landesgericht Berlin verurteilte ihn schließlich zu neun Monaten Gefängnis.

Affäre Quittner

Im November 1911 sorgte wiederum die Quittner-Affäre für erhebliches Aufsehen. Der österreichische Impressionist Rudolf Quittner, der zeitweilig in Paris gelebt hatte, war im Jänner 1910 ebendort verstorben. Seine Witwe Alma trennte sich vom künstlerischen Nachlass, etwa auch über eine Verkaufsausstellung in der Kunsthandlung Georges Petit. Und dort entdeckte der vergleichsweise unbekannte Pariser Maler namens Bucas einige jener 200 Bilder, die er im Laufe der Jahre seinem Kollegen Quittner verkauft hatte.

Der Haken: Sie waren mit der Signatur des Österreichers versehen. Im Zuge einer Hausdurchsuchung der in Neuilly bei Paris gelegenen Villa fanden sich 30 weitere Gemälde, bei denen Bucas' Signatur durch jene von Quittner ersetzt worden war. Laut einem Zeitungsbericht vom 30. November 1911 habe Alma Quittner eingestanden, nach dem Tod ihres Mannes Bilder ohne Signatur im Atelier aufgefunden und diese, in der Annahme, es handle sich um seine Werke, sodann selbst unterzeichnet zu haben.

Kunsthändler Link

Nahezu zeitgleich wurde in Wien ein weiterer Fall von "Bilderfälschung" bekannt. Konkret ging es dabei um zwei Ölgemälde, die vermeintlich von Olga Wisinger-Florian stammten. Ein Privater hatte diese in einer etablierten Kunsthandlung gekauft. Da schon einige Jahre zuvor minderwertige Nachahmungen mit der Signatur der Künstlerin auf dem Markt kursierten, wollte er sich die Echtheit der beiden Werke von ihr bestätigen lassen.

foto: anno/österr. nationalbibliothek
Am 15. Dezember 1911 informierte das "Neuen Wiener Tagblatt" in einem kurzen Artikel über Fälschungen der Künstlerin Olga Wisinger-Florian.

Wisinger-Florian entlarvte sie prompt als Fälschungen. Überliefert ist diese Geschichte auch in ihren Tagebüchern, bestätigt Alexander Giese, der diese im Rahmen seiner Dissertation auswertet. Bei der polizeilichen Einvernahme, notierte sie am 1. Dezember 1911, sei auch der Kunsthändler zugegen gewesen. Er hieß ironischerweise Link (Stefan) und war in der Wollzeile Nr. 31 angesiedelt.

Die Fälschungen Wisinger-Florians gelangten in den Bestand des Polizeimuseums und gastierten 1926 als Leihgaben bei einer Ausstellung in der Österreichischen Galerie (Belvedere). Von Jänner bis Ende April zeigte man dort unter dem Titel Fälschungen und Faksimiles von Kunstwerken des 19. Jahrhunderts 130 Exponate.

Zu den aus heutiger Sicht wohl kuriosesten Beispielen gehörte ein vermeintlich von Ferdinand Hodler geschaffenes Gemälde, das zwischenzeitlich seit 1990 zum Belvedere-Bestand gehört. Denn tatsächlich handelt es sich bei der Aktstudie um ein Werk von Koloman Moser. Nach dessen Tod war es in der Nachlass-Ausstellung der Galerie Wolfrum zum Verkauf angeboten worden. Dann verlor sich die Spur, bis es als Werk des international stark gefragten Ferdinand Hodler wieder auftauchte. Stilistische Ähnlichkeiten der beiden Künstler hatten einen bis heute unbekannten Betrüger auf den Plan gerufen. Sorgfältig entfernte er den Moser’schen Nachlassstempel auf der Rückseite und ergänzte das unsignierte Bild um den Namenszug "F. Hodler". (Olga Kronsteiner, Album, 29.4.2017)

  • Diese Aktstudie von Kolo Moser blieb ursprünglich unsigniert. Nach dessen Tod 1918 gastierte das Bild in der Nachlassausstellung (Galerie Wolfrum) ...
    foto: belvedere

    Diese Aktstudie von Kolo Moser blieb ursprünglich unsigniert. Nach dessen Tod 1918 gastierte das Bild in der Nachlassausstellung (Galerie Wolfrum) ...

  • ... acht Jahre später dann um die Signatur Ferdinand Hodlers ergänzt bei einer Fälschungsschau im Belvedere.
    foto: belvedere

    ... acht Jahre später dann um die Signatur Ferdinand Hodlers ergänzt bei einer Fälschungsschau im Belvedere.

  • Über "Beschuldigungen gegen" den damals bereits verstorbenen "Maler Quittner" berichtete am 14. November 1911 etwa die österreichische Tageszeitung "Reichspost".
    foto: anno/österr. nationalbibliothek

    Über "Beschuldigungen gegen" den damals bereits verstorbenen "Maler Quittner" berichtete am 14. November 1911 etwa die österreichische Tageszeitung "Reichspost".

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