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Dagegen ist ein Kraut gewachsen

4. Mai 2017, 11:34

Salbei gegen Husten und Thymian bei Halsschmerzen? Bereits in der Antike wussten die Menschen um die Wirkung der Kräuter. Heutzutage müssen sich Lebensmittelhersteller jedoch in Stillschweigen üben. Ist gesund nur was die Health Claims Verordnung erlaubt?

Kräuter sind aus unserem Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Sie verfeinern jedes Gericht und bringen einen besonderen Duft in die Küche. Doch wer sie auf ihren Geschmack reduziert, unterschätzt die wertvollen Pflanzen, denn auch die Gesundheit profitiert von der Wirkung der Kräuter. Ob Stoffwechsel, Verdauung und Wohlbefinden – durch den Superfood Trend der letzten Jahre wurden die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten von Thymian, Rosmarin und Co. wieder entdeckt. Dabei ist das Wissen um die Heilkraft der Kräuter so alt wie die Menschheit.

Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein…

…und eure Heilmittel eure Nahrungsmittel. Das wusste schon der griechische Arzt Hippokrates, der rund 450 Jahre v. Chr. lebte. Tatsächlich waren viele Kräuter zuerst als Heilmittel bekannt, bevor sie in der Küche Verwendung fanden. Die Äbtissin Hildegard von Bingen galt im 12. Jahrhundert als Vorreiterin der Naturheilkunde. Sie vereinte das überlieferte Wissen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit der Volksmedizin und machte es einer breiten Öffentlichkeit zugängig. Bis ins 19. Jahrhundert waren Kräuter und Gewürze die einzige Arznei, die den Menschen zur Verfügung stand. Mit dem Siegeszug synthetischer Arzneimittel schwand jedoch die Bedeutung der Naturheilmittel. Und die Pharmaindustrie ist darauf bedacht, dass das so bleibt. Gestützt wird sie von der Health Claims Verordnung der Europäischen Union, die 2012 in Kraft trat.

Von Schokolade bis Kräuter – alles in einen Reform-Topf

Ein Health Claim ist eine Aussage oder Darstellung, die Lebensmitteln und deren Inhaltstoffen eine besondere Auswirkung auf die Gesundheit zuschreibt. Auslöser für das Inkrafttreten der Verordnung waren Wildwüchse in der Marktkommunikation von Lebensmittelherstellern und Konzernen, die mit wundersamen gesundheitlichen Wirkungen warben. Unvergessen ist die Werbung eines bekannten Schokoriegelherstellers, der sich damit rühmte, dass seine Milchcremefüllung das gesunde Wachstum von Kindern unterstütze. Eine Eindämmung solcher Aussagen ist durchaus im Sinne des Verbraucherschutzes.

Die Health Claims Verordnung geht jedoch viele Schritte weiter. Denn nicht nur Süßigkeiten und verarbeitete Lebensmittel mit Zusätzen, sondern auch Kräuter wie Salbei und Thymian sind davon betroffen. Thymian-Tee bei Halsschmerzen? Nicht erlaubt. Salbei bei Erkältung? Fällt ebenfalls unter die Health Claims Verordnung. Was Großmutter schon immer wusste, darf offiziell nicht kommuniziert werden. Andere pflanzliche Wirkstoffe werden im Moment noch einem Genehmigungsverfahren der EU-Kommission unterzogen. Natürlich gibt es Ausnahmen von der Regel: In einem kostenaufwändigen Prozess können die gleichen Kräuter und Gewürze mit einer Pharmalizenz versehen werden. So wird aus einem wohltuenden Kräutergetränk ein heilsamer Magen- und Darmtee. Die Qualität und die Herkunft des Produktes spielen dabei keine Rolle.

Kreative Köpfe statt Lizenz-Geldtöpfe

Damit auch Lebensmittelhersteller, die sich eine Pharmalizenz nicht leisten können oder wollen, ihre Packungen mit zweckdienlichen Hinweisen füllen können, wurden rund 220 gesundheitsbezogene Aussagen bestimmt, die unter der Erfüllung bestimmter Kriterien erlaubt sind. Schützt Zellen vor oxidativem Stress. Oder: Trägt zu einer normalen Aminosäuresynthese bei. So oder so ähnlich klingt es, wenn Lebensmittelhersteller ihre Produkte regelkonform bewerben möchten. Floskeln wie diese sorgen bei den meisten Konsumenten aber wohl eher für Achselzucken als Verständnis. Deshalb ist die Health Claims Verordnung für viele Lebensmittelhersteller eine durchaus große Herausforderung.

Auch beim Bio-Pionier Sonnentor sieht man sich damit konfrontiert. Das Waldviertler Unternehmen produziert seit fast 30 Jahren Tees und Gewürze und setzt auf kreative Namensfindung statt Lizenzgebühren. Namen wie "Frosch im Hals" und "Freier Atem" bewegen sich im rechtlichen Rahmen und vermitteln auf spielerische Art die Wirkung des jeweiligen Produktes. An die Grenzen der Health Claims Verordnung geraten die Mitarbeiter des Unternehmens trotzdem im täglichen Kontakt mit Kunden. "Wir erhalten immer wieder Anfragen von Kunden, die gerne mehr Informationen über die bestimmte Wirkung eines Tees oder Gewürzes hätten. Als Kräuter- und Gewürzexperte ist es natürlich ärgerlich, wenn man dann keine Auskunft geben darf und die Kunden dafür wenig Verständnis haben", so Qualitätsmanager Günter Prinz.

Mündige Konsumenten braucht das Land

Wenn Lebensmittelhersteller nicht kommunizieren dürfen, ist der mündige Konsument gefordert, Informationen von alternativen Quellen einzuholen. Über die Wirkung von Kräutern gibt es zahlreiche Bücher und Internetforen. Die Großeltern-Generation hat oftmals den ein oder anderen Tipp parat. Und auch in der Allgemeinmedizin ist eine zunehmende Besinnung auf traditionelle Heilmethoden zu beobachten. Die Konsumenten haben es in der Hand.

  • Dass Thymian-Tee bei Halsweh hilft, ist kein Geheimnis. Auf der Teepackung sucht man diesen Hinweis aber vergeblich.
    foto: sonnentor

    Dass Thymian-Tee bei Halsweh hilft, ist kein Geheimnis. Auf der Teepackung sucht man diesen Hinweis aber vergeblich.

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