Leverkusen ruft den Abstiegskampf aus

27. April 2017, 19:01
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Brandrede von Bayer-Coach Korkut vor Duell mit Schalke: "Wir stecken im Sumpf"

Leverkusen/Gelsenkirchen – Das Treffen der Europacup-Stammgäste Bayer Leverkusen und Schalke 04 zum Auftakt der viertletzten deutschen Bundesliga-Runde wird zum Duell der Enttäuschten. Während Schalke vor dem Spiel am Freitagabend noch auf die Europa-League-Qualifikation hofft, wird der Ton bei Bayer aus Angst vor dem Abstieg rauer.

Am Donnerstag beendete auch Trainer Tayfun Korkut, vom "Kicker" in der Vorwoche noch als "Positivformulierer" verspottet, seinen Kuschelkurs. Stattdessen versuchte der Coach, die Mannschaft mit einer Brandrede wachzurütteln. "Wir stecken im Sumpf. Und wir wollen nicht, dass uns irgendwer den Kopf runterdrückt", sagte Korkut.

Im Westschlager gehe es laut Korkut "um viel, es geht um die Zukunft. Wir dürfen absolut keine Erklärungen und keine Entschuldigungen mehr finden. Alle müssen wissen, dass wir keine Sekunde mehr zu verschenken haben." Inzwischen ist auch ihm klar: Für Bayer, das wie Schalke seit der Saison 2010/11 in jedem Jahr auf der internationalen Bühne vertreten war, geht es nur noch um den Klassenerhalt. "Klarer geht es nicht: Von der Europa League dürfen wir nicht mehr reden", betonte Korkut.

Korkut auf dem Schleudersitz

Dass der Nachfolger von Ex-Salzburg-Erfolgscoach Roger Schmidt auch in der kommenden Saison in Leverkusen bleiben darf, ist angesichts von kläglichen sechs Punkten aus sieben Spielen unwahrscheinlich. Selbst sein Verbleib bis zum Saisonende gilt als unsicher. Im Falle einer weiteren Niederlage scheint es nicht ausgeschlossen, dass der Arbeitgeber der ÖFB-Legionäre Aleksandar Dragovic, Julian Baumgartlinger und Ramazan Özcan die Notbremse zieht. Zumal der Trend komplett gegen Leverkusen spricht.

"Wir haben ja noch Glück", gab Stürmer Stefan Kießling im "Kicker" zu. "Von den letzten elf Spielen inklusive Champions League haben wir eins gewonnen. Da ist es doch ein Wunder, dass wir nur sechs Punkte Rückstand nach oben und noch vier nach unten haben." Deshalb fordert der frühere Bundesliga-Torschützenkönig: "Am Freitag musst Du ein Zeichen setzen und drei Punkte holen. Dann ist das Ding auch durch."

Bei den Königsblauen, die nur zwei Punkte mehr als der kommende Gegner haben und je sechs Zähler von Platz sechs und Rang 16 entfernt sind, ist das große Problem die Auswärtsschwäche. Erst zwei Siege feierte der Club der ÖFB-Legionäre Alessandro Schöpf und Guido Burgstaller in 14 Spielen in der Fremde – bei noch drei Auswärtsspielen durchaus eine Hypothek bei der geplanten Aufholjagd in Richtung Europa League.

Schalkes Hoffnung

Mittelfeldspieler Benjamin Stambouli sprach dennoch im Vorfeld der Partie in Leverkusen offen von der Hoffnung auf Europa. Doch ähnlich wie Kießling ist der Franzose sich darüber im Klaren, dass es noch deutlich schlimmer stehen könnte. Dass die Chance auf den Europacup noch bestehe, sei "irgendwie verrückt, aber Fakt", meinte Stambouli.

Trainer Markus Weinzierl möchte dagegen keine großen Ansagen mehr machen. "Es geht noch um zwölf Punkte", sagte er ausweichend. "Aber wir schauen jetzt nur auf Leverkusen." Die achte Europacup-Teilnahme käme für Schalke nach der wechselvollen Saison insgesamt eher unverhofft. Denn auch Aufsichtsratschef Clemens Tönnies stellte fest: "Unsere Mannschaft brauchte mehr Zeit, um eine richtige Mannschaft zu werden, als wir alle geglaubt haben." (APA, 27.4.2017)

Deutschen Bundesliga, 31. Runde

Freitag (20.30 Uhr):

Bayer Leverkusen (Dragovic, Baumgartlinger, Özcan) – Schalke 04 (Burgstaller, Schöpf)

Samstag (15.30 Uhr, letztgenannte Partie 18.30 Uhr):

Borussia Dortmund – 1. FC Köln (Trainer Stöger), FSV Mainz (Onisiwo) – Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen (Junuzovic, Grillitsch, F. Kainz) – Hertha BSC, Darmstadt 98 – SC Freiburg, RB Leipzig (Ilsanker, Sabitzer, Trainer Hasenhüttl) – FC Ingolstadt (Suttner, Hinterseer), VfL Wolfsburg – Bayern München (Alaba)

Sonntag (15.30 bzw. 17.30 Uhr):

FC Augsburg (Hinteregger, Teigl, Danso) – Hamburger SV (Gregoritsch), 1899 Hoffenheim – Eintracht Frankfurt (Lindner)

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