George Soros: Spekulant, Philanthrop und Vordenker

Kopf des Tages27. April 2017, 19:04
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Seine Herkunft aus Ungarn begründet George Soros' Engagement

George Soros wurde als György Schwartz in Budapest geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Anwalt, der 1936 den Familiennamen auf Soros änderte. Nach dem Einmarsch der Wehrmacht 1944 überlebten die jüdischen, aber nicht religiösen Eltern und ihre zwei Söhne dank falscher Pässe.

Als die Kommunisten die Macht übernahmen, floh Soros nach England und studierte an der London School of Economics. In London lauschte er Vorlesungen des Philosophen Karl Popper, dessen Werk "The Open Society and Its Enemies" prägend für sein Leben wurde.

Wette gegen den Pfund

Zuerst als angestellter Wertpapierhändler, später als selbstständiger Hedgefonds-Manager verdiente Soros in Großbritannien und in den USA, wohin Soros 1956 übersiedelte, viel Geld. Berühmt und berüchtigt wurde er, als er 1992 gegen das Pfund wettete. Im Gegensatz zur Börsenregel "Spekuliere nie gegen die Zentralbank" setzte er auf die Abwertung des seiner Ansicht nach überbewerteten Pfunds, verdiente rund eine Milliarde US-Dollar und beschädigte den Mythos der britischen Notenbank nachhaltig. Soros verlor aber auch Milliardenbeträge – etwa 1999 bei seinen Spekulationen gegen den Euro und jüngst durch die Wahl Donald Trumps.

Beim jährlichen Abendessen beim Weltwirtschaftsforum in Davos sagt der Investor, der seit 1961 US-Bürger ist, regelmäßig den Euro-Zerfall voraus und präsentiert seine jüngsten Schriften.

Orbán als Nutznießer

Einen Teil seines Vermögens, das auf rund 20 Milliarden Dollar geschätzt wird, setzt Soros seit den 1970er-Jahren für philanthropische Zwecke ein. Er unterstützte Bürgerrechtsbewegungen wie die Charta 77, investierte aber auch in die Sanierung verfallender Städte und in Universitäten. Die von ihm gegründete Central European University in Budapest vergibt Stipendienprogramme – einer der Nutznießer war Viktor Orbán. In Russland gab Soros rund eine Milliarde US-Dollar an Spendengeldern aus und zog sich nach einem Streit mit Behörden 2015 zurück.

Der 86-Jährige, der Englisch mit starkem Akzent spricht und zunehmend unter Schwerhörigkeit leidet, hat viele Aktivitäten an seine Söhne abgegeben: Alexander aus seiner zweiten Ehe kümmert sich um seine Projekte, Robert und Jonathan aus der ersten Ehe übernahmen geschäftliche Agenden. Vor drei Jahren überraschte der fünffache Familienvater mit einer erneuten Hochzeit: mit seiner Yoga-Lehrerin Tamiko – sie ist 41 Jahre jünger. (Alexandra Föderl-Schmid, 27.4.2017)

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    foto: afp photo / pool / olivier hoslet
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