Rauchverbot in Gefängnissen: Zuerst Platzproblem lösen

Kommentar27. April 2017, 17:44
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Die Einwände der heimischen Justizwache gegen ein absolutes Rauchverbot sind nicht unbegründet

Beim Verbannen von Zigaretten ist Australien Österreich meilenweit voraus. Am anderen Ende der Welt gibt es bereits seit Jahren rigorose Rauchverbote; auf ungebrandeten Zigarettenpackungen in Einheitsfarbe prangen noch größere Warnhinweise und grauslichere Schockbilder als bei uns; und Aussie-Ciggies sind doppelt so teuer wie Ösi-Tschick.

Weil in Down Under auch in vielen Haftanstalten Rauchen verboten ist, gibt es nun auch bei uns die Diskussion, ob hinter Gittern nicht mehr gequalmt werden soll. Vom ärztlichen Standpunkt aus gibt es keine Alternative, Rauchen ist eine potenziell tödliche Suchterkrankung. In Australien konnte man aber auch schon sehen, wohin ein Rauchverbot im Häfen führen kann: nämlich zu einer Revolte. 2015 übernahmen im Ravenhall-Prison in Melbourne 300 Insassen gewaltsam die Kontrolle, weil sie nicht mehr rauchen durften.

Die Einwände der heimischen Justizwache gegen ein absolutes Rauchverbot sind also nicht unbegründet. Außerdem gibt es in heimischen Gefängnissen bereits prinzipiell eine Trennung zwischen Rauchern und Nichtrauchern, Häftlingen wird sogar Entwöhnung angeboten. In der Praxis kann der Nichtraucherschutz aber oft nicht umgesetzt werden, weil die Platz- und Personalverhältnisse in den meisten Anstalten katastrophal sind. Das ist das eigentliche Problem hinter Gittern. (Michael Simoner, 27.4.2017)

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