Song Contest: ORF verabschiedet Nathan Trent – Hoffnung und Härte

27. April 2017, 17:38
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Direkt kam Trent in der kurzen ORF-Würdigung nur am Rande vor, es plauderte mehr das Umfeld

Später wird sich niemand mehr an den Beitrag erinnern können, in dem die Seitenblicke unseren Sänger fragten, welche Dioptrien er braucht. Freundlich gab Nathan Trent Auskunft und sang noch zum Abschied von Wien das nette Lied Running on Air. Mit diesem hofft er, den Song Contest in der Ukraine erobern zu können.

Direkt kam Trent in der kurzen ORF-Würdigung nur am Rande vor, es plauderte mehr das Umfeld – Unterhaltungschef Edgar Böhm konnte so ein Insidergeheimnis lüften: Trent sei heuer genau der Richtige, er empfände es als Ehre anzutreten, so Böhm, der an Andi Knoll weitergab. Selbiger strapazierte Pointen, die längst mit dem Rollator unterwegs sind: Österreich müsse die Chance nutzen, die es nicht hätte.

Keine Ahnung, ob Nathan darüber lachte. Kollege Julian le Play jedenfalls schien von nahender Contest-Gefahr menschlich betroffen: Nathan wäre "extrem mutig"; aber "einer muss es halt machen ..."; sich Abstimmungen zu stellen, sei "was Hartes". Dass Wettbüros Nathan auf Platz 15 reihen, ist ein Vorbote dieser Härte. Behalten die Zocker recht, muss er nach dem Halbfinale (11. Mai) heim. Unangenehm.

Er würde damit allerdings dem noch Unangenehmeren ausweichen, nämlich beim Finale Letzter zu werden. An Sieger erinnern sich ja manche kurz. Letztplatzierte behält die Nation aber ewig im Gedächtnis der Schmach. Insofern ist Nathan der Richtige, die sympathische Unscheinbarkeit wird ihn schützen. Er kann (bei vorzeitiger Heimfahrt) seine Karriere locker fortsetzen, ohne Name und Identität ändern zu müssen. Denn womöglich wird sich bald niemand mehr an sein Lied erinnern können. Besser natürlich, er gewinnt. (Ljubiša Tošic, 27.4.2017)

  • Nathan Trent.
    foto: screenshot / orf tvthek

    Nathan Trent.

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