"Ganz Wien ist heut auf Heroin": Die Kunst und der Rausch

    27. April 2017, 16:34
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    Das Literaturmuseum Wien knüpft in der Ausstellung Kunst und Rauschzustand eng an einander

    Künstler und Rauschmittel stehen sich tendenziell nah. Robert Musil notierte in der Tabelle des Zigarettenrauchens im letzten Jahr bis zu seinem Tod akribisch jede gerauchte Zigarette, Gert Jonke schrieb nach dem Konsum unermesslich vieler Energydrinks nächtelang durch, und der unglückselige Georg Trakl machte Gebrauch von seiner Apothekerausbildung, um die Kokain- und Morphiumsucht zu stillen.

    Das Literaturmuseum in Wien knüpft in der Ausstellung "Im Rausch des Schreibens – Von Musil bis Bachmann" Kunst und Rauschzustand eng an einander. Die Ausstellung zeigt Audio- und Videoinstallationen, hauptsächlich aber Handschriften großer Literaten zwischen Exzess und literarischer Ekstase.

    "Die Kunst ist kein Rausch, sondern die große Ernüchterung", schrieb Peter Handke in Am Felsfenster morgens. Aber im nächsten Schwung der Feder: "Und zugleich muss das, was ich mache, mich im Machen ergreifen." Oswald Wiener ließ sich gar so sehr erfassen, dass er eine Selbstbeobachtung unter LSD-Einfluss schrieb, die in der Literaturzeitschrift Manuskripte veröffentlicht wurde. "Der Wald kommt auf mich zu", notierte er im Griff des Drogenrauschs.

    Nikotinsucht essenziell

    Vor allem jedoch die Nikotinsucht scheint bei Künstlern essenziell zu sein. Ingeborg Bachmanns Notizen zeigen große, schwarze Brandlöcher, in Malina lässt sie die Ich-Erzählerin Zeit in Zigarettenlängen zählen. Bachmann selbst starb zwei Jahre nach Erscheinen des Romans bei einem Brand, ausgelöst durch eine brennende Zigarette.

    Härtere Drogen inspirierten Johann Hölzel aka Falco; zwei seiner Notizbücher, in denen er unter anderem Ernst Jandls Gedichte interpretiert, sind im Museum ausgestellt. Falco, der zeit seines Lebens mit seiner Drogensucht rang, hat ausführlich illegale Stimulanzien besungen und wusste: "Ganz Wien ist heut auf Heroin." (ewa, 27.4.2017)

    Bis 11. 2. 2018

    Link

    Literaturmuseum Wien

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