Sports Direct holt sich in Österreich blutige Nase

27. April 2017, 16:39
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Nach der Eybl-Übernahme schreibt die Kette 44 Millionen Euro Verlust, Gigasport beendet die Zusammenarbeit

Die Kreditschützer des KSV 1870 orten bei der Österreich-Tochter von Sports Direct ein "erhöhtes Risiko" für Lieferanten. "Aus Bonitätsgründen spricht grundsätzlich nichts gegen die Aufnahme einer Geschäftsbeziehung, wir empfehlen jedoch zusätzliche absichernde Maßnahmen", heißt es im KSV-Unternehmensprofil der Sporthandelskette.

Die Übernahme des österreichischen Sporthändlers Sport Eybl/Sports Experts im Jahr 2013 ist für die britische Sportkette bisher ein großes Verlustgeschäft. Der Umsatz brach im Geschäftsjahr 2015/16 um 27 Prozent auf 138,5 Millionen Euro ein, der Verlust lag bei 44,4 Millionen Euro, geht aus dem kürzlich veröffentlichten Jahresabschluss 2015/16 hervor.

Zum Vergleich: Der Umsatz lag 2011/12 noch bei 320 Millionen Euro. Der Bilanzverlust summierte sich seit der Übernahme auf 126 Millionen Euro. Das negative Eigenkapital lag zum Bilanzstichtag Ende April 2016 bei 117,9 Millionen Euro.

Sports Direct hat in Österreich seit Anfang Jänner mit Rachel Stockton eine neue Geschäftsführerin, schreibt das Wirtschaftsmagazin "Trend" in einer Vorabmeldung. Sie übernahm den Job von Dave Forsey, der im Herbst auch als Chef des Sports-Direct-Gesamtkonzerns ausgeschieden ist.

Gigasport wendet sich ab

Laut "Trend" ist außerdem die Zusammenarbeit zwischen Sports Direct in Österreich und Gigasport nach nur einem Jahr wieder zu Ende. Gigasport wollte in einem Shop-in-Shop-Konzept seine Fahrrad- und Wintersportartikel in die Sports-Direct-Premiummärkte Lillywhites einbringen, was bisher nur an zwei Standorten umgesetzt wurde. Von einer "wirtschaftlichen Fehleinschätzung" sprach Gigasport-Vorstand Andreas Zinschitz gegenüber dem Magazin. "Wir waren von Sports Direct als Partner ziemlich enttäuscht."

Die Finanzierung von Sports Direct Österreich erfolgt laut den Kreditschützern über die britische Mutter, die "als gut fundiert gilt", und der Einkauf wird auch großteils über sie abgewickelt. Die längerfristige Entwicklung bleibt laut KSV abzuwarten. Im Jahresabschluss 2015/16 führt die Österreich-Tochter nachrangige Gesellschafterdarlehen (30 Millionen Euro), Rangrücktrittserklärungen für Konzernkredite (48 Millionen Euro), Garantien zur Abdeckung des negativen Eigenkapitals (40 Millionen Euro) und eine neue Finanzierung (15 Millionen Euro) an. (red, APA, 27.4.2017)

  • Das Österreich-Abenteuer von Sports Direct wird immer kostspieliger.
    foto: reuters/darren staples

    Das Österreich-Abenteuer von Sports Direct wird immer kostspieliger.

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