Als der Fußballgott ein Einsehen hatte

27. April 2017, 16:00
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Der starke LASK bereichert die österreichische Bundesliga, die schwächelnde Rapid das Cupfinale

Wien – Rapid hat sich beim LASK für den Einzug ins Cupfinale nicht entschuldigt. Wie sagte Thomas Murg, der beim 2:1 ein Tor beigesteuert hat: "Wir können wirklich nichts dafür, wenn der LASK nicht trifft." Kollege Schwab gestand ein, dass der Gegner die klar bessere Mannschaft gewesen sei. "Aber irgendwann dürfen wir doch Glück haben." Rapid darf am 1. Juni in Klagenfurt das Endspiel gegen Red Bull Salzburg bestreiten, die Ausgangslage ist klar, der Favorit reist sicher nicht aus Wien an. Schwab strapazierte eine beliebte Fußballweisheit: "In einem Spiel ist aber alles möglich."

Das dachte die Admira vor dem anderen Halbfinale auch, Salzburg gewann es in der Südstadt 5:0, das Resultat war in der Höhe eine gewaltige Untertreibung. Im Allianz Stadion sahen die Verlierer wie die Sieger aus, Trainer Oliver Glasner bejammerte das Ausscheiden nur innerlich. "Ich verspüre einen unheimlichen Stolz auf meine Mannschaft, ziehe den Hut davor, was sie hier geboten hat. Sie hat Herz, und Herz kann man nicht kaufen. Die Burschen sollen feiern, bis sich die Balken biegen. Rapid hat den Spielaufbau eingestellt. Das ist das größte Kompliment, das man bekommen kann. Rapid richtet sich daheim vor 18.200 Zuschauern nach einem Zweitligisten."

Der Zweitligist ist künftig ein Erstligist. Glasner: "Ganz Österreich kann sich auf einen starken LASK in der Bundesliga freuen." Der Auswärtssektor war mit Fans prall gefüllt.

Rapid freut sich auf Klagenfurt, der den Cup veranstaltende ÖFB detto, die Besetzung schreit nach einem ausverkauften Stadion. Trainer Goran Djuricin wird bis dahin seine Gefühle in den Griff bekommen haben. Als Rene Gartler in der 91. Minute den Ausgleich erzielte, war seine Welt völlig durcheinandergeraten. "Ich habe mein Leben nicht gepackt, fürchterliche Gedanken kamen hoch." In der 93. Minute traf Joelinton bekanntlich zum 2:1, aus Djuricin wurde ein Rumpelstilzchen, das ein paar Frösche verschluckt hatte. "Ich weiß gar nicht, was ich gemacht habe, so glücklich war ich." Fazit: "Der Fußballgott hat mit drei Augen auf uns runtergeschaut." Gegen Salzburg muss er vermutlich mit fünf bis acht Augen schauen. "Aber daran denke ich jetzt nicht. Es geht um den Sonntag, um das Meisterschaftsspiel bei der Admira."

Gemüse

Interimscoach Djuricin hat drei Partien erledigt. Die Bilanz ist durchwachsen, weder Fisch noch Fleisch, Gemüse war dabei: souveränes 3:0 gegen Altach, ein redlich verdientes 0:2 im Derby, der dreiäugige Gott schlug den LASK. Der 42-Jährige möchte Dauerlösung werden, in der nächsten Woche soll es ein Gespräch mit Sportvorstand Fredy Bickel geben, der Ausgang ist offen. "Die Verunsicherung bei de Mannschaft ist nicht zu leugnen, sie agiert phasenweise zu feige. Die Spieler vergessen immer wieder ihre hohe individuelle Qualität." Djuricin führte Murgs perfekte Schusstechnik und Joelintons vorzügliche Ballannahme an. "Das müssen sie erkennen. Sie sind gut, haben halt zu viel Negatives erlebt." Trotzdem sei der Teamgeist top, die Mentalität passe. Schwab sagte noch: "Die Finalteilnahme rettet die verkorkste Saison nicht, es müsste der Pokal sein."

Die Achterbahnfahrt geht also weiter. Dass Rapid einen Lauf bekommt, ist alleine aus Zeitgründen nicht sehr wahrscheinlich, in der Liga sind nur mehr sechs Runde zu absolvieren. Djuricin denkt "von Spiel zu Spiel". Die LASK-Kicker haben Glasners Rat nicht befolgt, die ausgelassene Feier wurde abgesagt, kein Balken hat sich gebogen. Die Rapidler sangen in der Kabine. Schwab: "Wir haben den Lucky Punch geschafft, warum, weiß keiner. Aber darüber müssen wir nicht nachdenken." (Christian Hackl, 27.4.2017)

  • Thomas Murg traf mit einem Prachtschuss zur Führung für Rapid.
    foto: apa/punz

    Thomas Murg traf mit einem Prachtschuss zur Führung für Rapid.

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