Zu wenig Geld für Hilfe vertieft die Flüchtlingskrisen

27. April 2017, 15:40
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Projekte in Nachbarstaaten Syriens laut UNHCR nur zu 63 Prozent, im afrikanischen Uganda nur zu 45 Prozent finanziert

Wien – Effektive Flüchtlingshilfe sei Hilfe in den Herkunftsregionen, etwa in den Ländern um Syrien oder um afrikanische Krisenstaaten, sagte Christoph Pinter, Leiter des UNHCR-Büros in Wien, bei einem Hintergrundgespräch für Journalisten am Donnerstag.

Vor allem brauche es Geld für Projekte, um die Überlastung der Erstaufnahmestaaten durch Schutzsuchende hintanzuhalten. Auch, um zu verhindern, dass sich viele Flüchtlinge mangels Perspektiven von dort zu noch entfernteren Ufern aufmachten, aus dem Nahen Osten Richtung Europa, in Afrika vielfach Richtung Norden durch die Sahara: Letzteres eine Route, auf der jährlich tausende Menschen sterben.

Österreich im Zahler-Mittelfeld

Doch für die Hilfe des UNHCR in der Region um Syrien – also für Schulen, Ärzte, Wohnraum, Essen für die Flüchtlinge – standen 2016 nur 63 Prozent der benötigten Mittel zur Verfügung. 2015 waren es mit 50 Prozent noch weniger. Österreich, so Pinter, reihe sich bei der Zahlungsbereitschaft "im EU-Mittelfeld" ein. 2016 seien 6,5 Millionen, 2017 bisher rund vier Millionen Euro geflossen.

Mit nur 45 Prozent des benötigten Geldes noch unterdotierter sind Hilfsmaßnahmen in Afrika: in und um Mali, der Zentralafrikanischen Republik, dem Kongo und Somalia. Sowie in Uganda, wohin derzeit täglich bis zu 6.000 Menschen aus dem Bürgerkrieg im Südsudan fliehen: vielfach Kleinbauern, die mitsamt ihrem Vieh und ihren wenigen persönlichen Besitztümern über die Grenze kommen. Laut Berichten gerät die große Hilfsbereitschaft in Uganda – die meisten Flüchtlinge bekamen ein Stück Land zugeteilt – angesichts der immer größeren Zahl Ankommender ins Wanken.

Gegen Lager in Libyen

Bei dem Hintergrundgespräch wurden auch Vorschläge präsentiert, um die Asylpolitik in der EU zu verbessern. So etwa die EU-weite Registrierung von Asylwerbern in den Hotspots, sodass Schutzbedürftige und andere gleich von Anfang an unterschieden werden könnten. Auffanglager in Libyen seien "derzeit völlig unrealistisch", widersprach Pinter derartigen Plänen.

Wichtig wären auch "legale Wege für Flüchtlinge" nach Europa. Hier ist derzeit aber allein Resettlement – die freiwillige Aufnahme von Personen, die von der Uno als Flüchtlinge anerkannt wurden — politisch durchsetzbar. In Österreich erhielten seit 2014 insgesamt 1900 Menschen auf dieser Basis Aufenthalt.

Zudem, so Pinter, dringe UNHCR auf verstärkte "Notfallplanung" für weitere Fluchtbewegungen. Im Innenministerium in Wien heißt es, "für den Fall des Bedarfs" würden "Quartierkapazitäten auf Vorrat gehalten". (bri, 27.4.2017)

  • In Uganda kommen täglich mehr Flüchtlinge aus dem Südsudan an. Hier zwei junge Männer mit Ziegen und wenig gerettetem Hausrat.
    foto: ap / justin lynch

    In Uganda kommen täglich mehr Flüchtlinge aus dem Südsudan an. Hier zwei junge Männer mit Ziegen und wenig gerettetem Hausrat.

  • Warteschlange am Grenzübergang Ngomoromo.
    foto: apa/afp/isaac kasamani

    Warteschlange am Grenzübergang Ngomoromo.

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