Graz: Prozess um versuchte Vergewaltigung in Zug

27. April 2017, 14:22
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Angeklagte sollen in Abteil über junge Frau hergefallen sein – Andere Passagiere schritten ein – Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Graz – Zwei junge Männer haben sich am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht wegen einer versuchten Vergewaltigung in einem Regionalzug von Graz Richtung Bruck verantworten müssen. Einer der Angeklagten hatte eine junge Frau in einem Abteil bedrängt, zu Boden gestoßen und sich auf sie gelegt, der andere hatte ihn unterstützt. Andere Passagiere hörten Schreie und schritten ein.

Der nach eigenen Angaben erst 15-jährige Afghane, der nördlich von Graz in einer Asylwerber-Unterkunft lebt, und sein ebenfalls eigener Aussage zufolge erst 18-jähriger Freund aus der selben Unterkunft waren im Dezember des Vorjahres laut Anklage gemeinsam mit dem Zug nach Graz gefahren und hatten sich dort betrunken. Als sie sich auf den Rückweg machten, hatte der Jüngere bereits am Bahnsteig eine Frau entdeckt und war ihr beim Einsteigen ins Abteil gefolgt.

"Zuerst hat er sie verbal belästigt. Als sie sagte, sie habe einen Freund, tat er so, als ob er den Zug verlassen würde", schilderte die Anklägerin. Doch in Wahrheit ging er zu seinem Freund, der sich in ein anderes Abteil gesetzt hatte, und holte ihn zu Hilfe. "Er wollte sie vergewaltigen und hat das mit dem anderen abgesprochen", ist sich die Staatsanwaltschaft sicher. Gemeinsam gingen sie wieder in das Abteil der jungen Frau. Da bedrängte der 15-Jährige sein Opfer wieder – diesmal auch körperlich. Er begrapschte sie und begann sie "zu küssen und abzuschlecken". Als das Opfer einen Pfefferspray aus der Tasche holte, lenkte der 18-Jährige sie mit Schlägen auf ihr Gesäß ab, sodass der andere Angreifer ihr den Spray entreißen konnte.

Schließlich zerrte der Beschuldigte sein Opfer auf den Boden, legte sich auf sie und drückte ihr mit der Hand Mund und Nase zu. Der jungen Frau gelang es dennoch zu schreien. Andere Passagiere hörten das und schritten ein. Sie zogen den Täter an den Haaren vom Opfer weg. Während die Zeugen die Frau beruhigten, soll sich der 15-Jährige laut Anklage zu einer anderen Frau in einem anderen Abteil gesetzt und auch diese belästigt haben, indem er ihr eindeutige Zeichen gab, sich auf den Penis griff und mit ihr auf die Bordtoilette gehen wollte. Erst als auch diese Frau sich wehrte und ihm gegen das Schienbein trat, ließ er von ihr ab, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Der mutmaßliche Haupttäter gestand im Vorfeld die versuchte Vergewaltigung sowie sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen. Sein Komplize will sich an nichts erinnern können. Auf Antrag der Rechtsvertreterin des Opfers schloss das Schöffengericht die Öffentlichkeit nach den Eröffnungsplädoyers aus, da der Prozess vom höchstpersönlichen Lebensbereich des Opfers handle und die Beschuldigten möglicherweise noch Jugendliche sind. Das Gericht hat Gutachten erstellen lassen, um das tatsächliche Alter der Burschen erheben zu lassen. Sie wirkten bei Gericht recht erwachsen und könnten möglicherweise bereits volljährig oder noch ein paar Jahre älter sein.

Der Prozess wurde am Donnerstag vertagt. Die Rechtsvertreterin des Opfers brachte einen weiteren Beweisantrag ein, da sie am tatsächlichen Alter des Hauptbeschuldigten erhebliche Zweifel hat. Ein neuer Termin stand vorerst nicht fest. Ein Altersgutachten, das dem Akt bereits beiliege, geht von einem Alter von knapp 18 Jahren aus. Der Beschuldigte selbst gab an, er sei 2001 geboren. Tatsächlich könnte er aber deutlich älter sein, weshalb die Ergebnisse noch einmal geprüft werden sollen. (APA, 27.4.2017)

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