Barfuß wandern: Ohne Schuhe durch den Wald

Blog30. April 2017, 09:56
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Die Füße der meisten Menschen stecken den Großteil des Tages unbeweglich in Schuhen. Barfußgehen sorgt für eine gesunde Abwechslung

Die Reaktionen der Spaziergänger reichen von ungläubig bis fassungslos. Kein Wunder: Sechs erwachsene Menschen, die Ende April ohne Schuhe im Wald wandern, sind wohl kein alltäglicher Anblick. "Ist der Boden nicht kalt?", fragt eine Frau mit Nordic-Walking-Stöcken neugierig. Ist er. Und während wir hinter Rita Schiller, die in Wien-Liesing regelmäßig Barfußwanderungen veranstaltet, im Gänsemarsch durch den Wald gehen, denke ich plötzlich an meine Mama, die immer sagt: "In Monaten mit einem 'r' im Namen geht man nicht barfuß."

Eine halbe Stunde zuvor hatte sich unsere Barfußgruppe auf einem Parkplatz in Rodaun getroffen: Es ist kühl, wir alle tragen dicke Jacken, und ich frage mich, warum ich mir meine Schuhe ausziehen soll. Aber die Vorteile von Barfußgehen liegen auf der Hand: Wer seine Füße immer wieder anderen Reizen aussetzt und sie nicht einfach unbeweglich den ganzen Tag in den Schuhen stecken lässt, erspart sich unter Umständen später viele Probleme des Bewegungsapparates.

Wir ziehen uns die Schuhe aus. Erst geht es darum, auf einer Wiese die Basics des Barfußgehens zu erlernen: Wichtig ist, dass nicht die Ferse zuerst am Boden aufkommt, sondern der Vorfuß, und der Fuß dann abgerollt wird, erklärt Schiller, die seit etwas mehr als einem Jahr am liebsten ohne Schuhe unterwegs ist. Der Ballengang soll uns einen möglichst leichten Tritt im Gelände ermöglichen und die Verletzungsgefahr reduzieren.

Fokus auf die Füße

Dann geht es los: Schuhe und Socken werden im Rucksack verstaut, damit wir sie für den Notfall dabeihaben. Wir gehen ein paar Schritte über eine Straße und stehen mitten im Wald. Rita Schiller geht voran, wir folgen ihr im Gänsemarsch und fühlen unter den Fußsohlen, was wir sonst nie fühlen: Tannennadeln, Rinde, feuchte, kühle Erde. Tritt man auf einen spitzen Stein, fährt der Schmerz durch den ganzen Körper. Schiller beruhigt und empfiehlt, die Steine als Massage für die Füße zu sehen. Als Anfängerin bin ich so fokussiert darauf, mit meinen Füßen an die richtige Stelle zu treten, dass ich den einen oder anderen herabhängenden Zweig übersehe, der mir ins Gesicht klatscht.

Wer barfuß geht, macht kleinere und vorsichtigere Schritte. Wir bewegen uns langsam voran und halten auf einer Anhöhe. "Bei mir kribbelt's in den Füßen", sagt Schiller. Über ein flaches Stück des Weges sollen wir nun mit geschlossenen Augen gehen und genau hinspüren, was sich da unter unseren Fußsohlen tut. Danach kommt ein Abstieg: Schiller rät dazu, sich nun mit den Zehen festzukrallen. Die Steine piksen in der Fußsohle. Wenig später stellt sich aber heraus: Noch unangenehmer ist es, barfuß über Bucheckern zu gehen, weil diese in der Fußsohle steckenbleiben. Das tut weh. Das Matschbad für die Füße an einer schlammigen Stelle lassen wir aber Gott sei Dank aus.

Dem Tritt vertrauen

Nach knapp eineinhalb Stunden Wanderung eine ernüchternde Erkenntnis: Barfußgehen kann jedes Kind. Für uns ungeübte Erwachsene ist es dennoch ziemlich anstrengend – Experten raten Anfängern daher auch dazu, anfangs nur kurze Etappen barfuß zurückzulegen. Nach einer Weile spüre ich Fußgewölbe und Teile der Wadenmuskulatur, die ich sonst wohl sträflich vernachlässige. Außerdem funktioniert der Ballengang nicht gleich gut mit dem rechten und linken Bein. Die letzten paar Meter unserer Wanderung legen wir barfuß, aber mit erhobenem Blick zurück. So sollen wir lernen, unserem sicheren Tritt zu vertrauen.

Und schon stehen wir wieder auf dem Parkplatz. Am Ende schließen wir noch einmal die Augen und fühlen, wie sich der feste Stand anfühlt. Dann packen wir unsere Schuhe wieder aus, die sich plötzlich seltsam schwer anfühlen. Die Füße sind ziemlich dreckig. Sie kleben vom Harz der Bäume – und sind obendrein ziemlich kalt. Ich freue mich auf ein heißes Fußbad – und bin voller guter Vorsätze, mir meine Füße schon bald bei frühlingshafteren Temperaturen wieder dreckig zu machen. (Franziska Zoidl, 30.4.2017)

Blog: Gesunde Geschichten

Auch wir Gesundheitsredakteure des STANDARD sind immer wieder mal krank. Und wir würden gerne gesünder, fitter und krankheitspräventiver leben. Was wir für unser eigenes Wohlbefinden ausprobieren, was wir im Dschungel unseres Gesundheitssystems alles erleben und was wir tun, wenn es uns selbst dreckig geht, beschreiben wir hier – als Otto Normalverbraucher, sozusagen. Und Achtung: Misery loves company – wir freuen uns über Tipps, Tricks und Resonanz.

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  • Die Schritte werden kleiner und vorsichtiger, wenn man barfuß durch den Wald geht.

    Die Schritte werden kleiner und vorsichtiger, wenn man barfuß durch den Wald geht.

  • Franziska Zoidl ist Journalistin und Freizeitsportlerin. Manchmal tut ihr oder einem Menschen aus ihrem Umfeld aber die Bewegung weh – dann schreibt sie darüber.
    bild: standard

    Franziska Zoidl ist Journalistin und Freizeitsportlerin. Manchmal tut ihr oder einem Menschen aus ihrem Umfeld aber die Bewegung weh – dann schreibt sie darüber.

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