Was bei schweren Allergien helfen kann

    27. April 2017, 11:49
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    Das Krankheitsbild Allergie hat viele Gesichter. Die dermatologische Forschung bietet neue Behandlungsformen für komplexe Allergien

    Der Begriff Allergie wurde vor rund 100 Jahren geprägt. Der Wiener Kinderarzt Freiherr Clemens von Pirquet definierte Allergie damals als "veränderte Fähigkeit des Körpers, auf eine fremde Substanz zu reagieren". Allergien im engeren Sinne sind normale Immunantworten mit zwei Besonderheiten: Erstens ist die Immunantwort nicht gegen einen Krankheitserreger gerichtet, sondern gegen eigentlich harmlose Umweltstoffe, wie Katzenhaare, Gräser, Nickel im Schmuck oder Medikamente. Sie richtet sich somit gegen Stoffe, mit denen wir natürlichen Kontakt haben oder haben wollen. Und zweitens ist die Immunreaktion so stark, dass sie den Menschen bedroht.

    Meist Haut und Schleimhäute betroffen

    Heuschnupfen, Wespengiftallergie, Schuppenflechte – das Krankheitsbild Allergie hat viele Gesichter. In den meisten Fällen werden allergische Reaktionen dermatologisch behandelt. Denn das Gros der Allergien betrifft die Haut und Schleimhäute, manchmal zusammen mit inneren Organen. Zu den bedrohlichsten Erkrankungen zählt die toxisch epidermale Nekrolyse (TEN), eine früher oft tödlich verlaufende Allergie, die sich meist gegen Medikamente richtet. Heute sind die wichtigsten Auslöser und die Patientengruppen, die besonders häufig eine TEN entwickeln, bekannt. Zudem verfügt die Dermatologie über eine meist wirksame Therapie.

    Antikörper-Behandlungen und Hyposensibilisierung

    Nachdem erst für die Schuppenflechte, die sogenannte Psoriasis, und dann für Tumoren neue wirksame Behandlungen entwickelt wurden, stehen derzeit Therapien, Antikörper-Behandlungen und spezifische Impfungen (Hyposensibilisierungen) für komplexe Allergien zur Verfügung. Bekannt ist die Hyposensibilisierung zur Behandlung von Heuschnupfen sowie Bienen- und Wespengiftallergien. Eine Hyposensibilisierung gegen Hausstaubmilben kann sich auch zur Behandlung von Asthma eignen. Selbst einige Formen des atopischen Ekzems, die häufigste Ekzemerkrankung, können durch eine Hyposensibilisierung verbessert werden. "Diese Erkenntnisse sind aufregend, weil sie erstmalig zeigen, dass komplexe Krankheiten durch eine spezifische ‚impf-ähnliche’ Behandlung gebessert werden können," sagt Martin Röcken, Professor an der Universitäts-Hautklinik Tübingen.

    Neurologische und allergologische Reaktionen

    Durch das zunehmende Verständnis von Interleukinen (IL-; flüssige Botenstoffe) wurden innovative Behandlungen bei Juckreiz und atopischem Ekzem entwickelt. Neu ist, dass ein Antikörper gegen IL-31 Juckreiz hemmen kann. Dies zeigt, wie eng neurologische und allergologische Reaktionen beim Menschen miteinander verknüpft sind. Klinisch noch wichtiger ist, dass die Blockade des gemeinsamen Rezeptors von IL-4 und IL-13 das schwere atopische Ekzem deutlich verbessern kann. So kann erstmalig eine krank-machende Immunantwort ohne Schwächung des Immunsystems ‚umgeleitet’ werden. Ausgehend von diesen bedeutenden Erkenntnissen in der Dermatologie wird die Wirkung dieser innovativen Behandlungen aktuell bei weiteren Erkrankungen wie dem Asthma untersucht. (red, idw, 27.4.2017)

    • Heuschnupfen, Wespengiftallergie, Schuppenflechte – das Krankheitsbild Allergie hat viele Gesichter.
      foto: getty images / istockphoto fotograf: ideabug

      Heuschnupfen, Wespengiftallergie, Schuppenflechte – das Krankheitsbild Allergie hat viele Gesichter.

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