US-Ermittler sehen Dieselbetrug bei Daimler

26. April 2017, 18:37
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Die Mercedes-Mutter stellt sich auf empfindliche Strafen ein und rechnet mit Geldstrafen und notwendigen Rückrufaktionen

Stuttgart/Washington/Wien – Der Abgasskandal wird für den deutschen Autobauer Daimler immer bedrohlicher. Der Konzern stellt sich angesichts der Ermittlung von US-Behörden wegen möglicherweise unerlaubter Funktionen in Dieselmotoren auf empfindliche Strafen ein.

Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Behörden zu dem Schluss kommen, dass in Dieselfahrzeugen von Mercedes möglicherweise unzulässige Funktionalitäten enthalten sind, heißt es in dem am Mittwoch veröffentlichten Quartalsbericht des Konzerns mit Headquarter in Stuttgart.

Falls die Ermittlungen zu nachteiligen Ergebnissen führten, könnte Daimler unter anderem zu Geldstrafen oder Rückrufaktionen verpflichtet werden, erklärte der Konzern: "Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass die vorgenannten Risiken erhebliche nachteilige Auswirkungen auf unsere Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage haben könnten."

2016 hatte das US-Justizministerium Daimler aufgefordert, eine interne Untersuchung des Zertifizierungsprozesses in Bezug auf Abgasemissionen in den USA anzustoßen. Hintergrund war die Aufdeckung des Abgasbetrugs bei dem Hersteller Volkswagen.

Der Mercedes-Konkurrent VW hatte im September 2015 nach Vorwürfen der US-Umweltbehörden eingeräumt, die Abgaswerte zum Stickoxidausstoß bei fast 600.000 Dieselwagen manipuliert zu haben. Für Vergleiche mit Klägern in den USA und Kanada muss der Konzern umgerechnet gut 22 Milliarden Euro zahlen.

Österreich stärker betroffen

In Deutschland laufen ebenfalls Ermittlungen gegen Daimler-Mitarbeiter wegen eines möglichen Dieselbetrugs. "Wir ermitteln gegen namentlich bekannte und unbekannte Mitarbeiter der Daimler AG wegen des Verdachts des Betrugs und der strafbaren Werbung", hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart Ende März mitgeteilt. Vor einem Jahr hatte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) mehrere Hersteller, darunter auch Mercedes, zu einem freiwilligen Rückruf verdächtiger Dieselmodelle aufgefordert. Die betroffenen Autos waren bei Abgasnachmessungen des Kraftfahrt-Bundesamts durch stark erhöhte Werte an Stickoxid (NOx) aufgefallen.

Die schlechten Werte sind mutmaßlich auf Thermofenster zurückzuführen: Viele Hersteller stellen die Abgasreinigung ihrer Fahrzeuge so ein, dass sie erst ab einer bestimmten Außentemperatur arbeiten – häufig erst ab zehn Grad. Die Thermofenster sind zwar ethisch fragwürdig, nach den EU-Richtlinien aber unter bestimmten Bedingungen erlaubt.

Österreich sei von NOx-Emissionen wegen des deutlich höheren Dieselanteils (57 Prozent statt 33 Prozent in Deutschland) noch stärker betroffen, wies der Verkehrsclub Österreich am Mittwoch hin. Neue Diesel-Pkws stoßen auf der Straße im Schnitt sechs Mal so viel Stickoxid aus als unter Laborbedingungen ermittelt, wurde am Dienstag in Deutschland bekannt. Rechtlich reicht es bisher allerdings, wenn die Diesel unter Laborbedingungen die EU-Vorgaben erfüllen.

Als am schmutzigsten erwiesen sich Euro-5-Diesel mit einem NOx-Ausstoß von im Schnitt 906 Milligramm pro Kilometer – das Fünffache des EU-Grenzwerts von 180 Milligramm. (dpa, red, 26.4.2017)

  • Abgaswerte spielen auch bei den Autos mit dem Stern eine Rolle.
    foto: reuters/rehle

    Abgaswerte spielen auch bei den Autos mit dem Stern eine Rolle.

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