Wie nachhaltige Nahrung nachhaltige Erträge erzielen soll

1. Mai 2017, 11:17
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Innovationen können die Lebensmittelindustrie nachhaltiger gestalten. Fondsmanager Landymore investiert in Firmen, die diesen Weg gehen

Wien – Die Weltbevölkerung wächst. Bis 2050 soll es mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde geben. Pro Jahr müssen damit 60 Millionen Menschen mehr ernährt werden. Da aber nur rund zwölf Prozent der Erdoberfläche landwirtschaftlich genutzt werden können (bezogen auf das Land, das für den Anbau von Getreide für den menschlichen Bedarf oder Viehzucht zur Verfügung steht), ist mit einer Verknappung diverser Nahrungsmittel zu rechnen.

Es ist also an der Zeit, an Alternativen zu denken – und zwar in der ganzen Bandbreite von Anbau bis zur Verpackung im Supermarkt und auch in der Liefer- und Logistikkette. Unternehmen, die in diesen Bereichen umdenken und innovative Lösungen auf den Markt bringen, sind auf dem Radar von Michael Landymore. Der Manager des BNP-Paribas-Fonds Parvest Smart Food investiert in Firmen entlang der gesamten Nahrungsmittelkette, die nachhaltige Produktionsverfahren für Lebensmittel entwickeln und diese nachhaltig produzieren beziehungsweise ihre Zulieferkette nach den Kriterien der Nachhaltigkeit managen.

Lenzing auf der Liste

Weltweit gibt es rund 1200 Unternehmen, die in diese Kategorien fallen. Da aber kleine Unternehmen und jene, die in Frontier-Markets sitzen (diese Märkte weisen einen geringeren Entwicklungsstandard auf als Emerging Markets), wegfallen und Landymore noch andere Ausschlusskriterien anwendet, bleiben rund 300 Unternehmen auf seiner Liste. Darunter befindet sich auch Lenzing – aus zweierlei Gründen. Erstens stellt der in Oberösterreich beheimatete Betrieb Naturfasern her und verzichtet dabei auf Baumwolle, deren Anbau besonders viel Wasser verbraucht. Zweitens wird aus jenen Holzbestandteilen, die nicht in Zellulose aufgelöst werden, Bioessigsäure gewonnen, die Bestandteil der Flüssigkeit ist, die etwa bei Essiggurkerln verwendet wird. Auch Hersteller von landwirtschaftlichen Geräten, die einen geringeren Energieverbrauch haben, zählen zum Investmentfokus.

Ausgeschlossen hat Landymore das Thema gentechnisches Saatgut, obwohl es mancherorts auch als Lösung angesehen wird – wenn etwa Saatgut so verändert wird, dass es mit weniger Wasser als bisher auskommt. "Die Frage ist aber immer, wo ein Vorteil ist", sagt der Fondsmanager. Und in diesem Bereich sieht er kein großes Wachstum mehr. Zuwächse verzeichnen die Hersteller in Nord- und Lateinamerika, dort sei der Markt aber gesättigt. In Europa gibt es regulatorische Einschränkungen.

Die Bereiche Nahrungsmittel und Getränke faszinieren Landymore seit seiner Zeit auf dem College. Seit rund 35 Jahren beschäftigt er sich mit diesen Themen. Für ihn zeigt sich auch an anderen Entwicklungen, dass die Zeit reif ist für einen Wandel. "Die Frage ist, wie lange Leute etwa noch Geld für gefärbtes Zuckerwasser ausgeben", sagt Landymore. In den USA sei bereits erkennbar, dass der Verkauf von Burgern und Cola-Getränken zurückgeht, die jüngere Generation setze auf gesündere Getränke mit weniger Zucker und Zusatzstoffen. (Bettina Pfluger, 27.4.2017)

  • Die wachsende Weltbevölkerung benötigt immer mehr Nahrung.
    foto: apa/dpa/martin gerten

    Die wachsende Weltbevölkerung benötigt immer mehr Nahrung.

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