Große Mengen von Leichen hinterlassen "sehr speziellen Untergrund"

26. April 2017, 16:59
47 Postings

Forscher können dies nutzen, um vergessene Begräbnisstätten aufzuspüren

Wien – Der Abbau der sterblichen Überreste eines Menschen im Boden durch Würmer, Insekten und Mikroben ist ein natürlicher Prozess. Weniger naturnah ist, dass auf engem Raum unzählige Leichen über Jahrzehnte bis Jahrhunderte begraben werden, so Forscher am Mittwoch bei der Generalversammlung der European Geosciences Union (EGU) in Wien. Dadurch entstehe ein sehr spezieller Untergrund.

Die chemischen Signale der verwesten Körper kann man an Begräbnisstätten, selbst wenn sie aufgelassen wurden, noch Tausende Jahre später finden, erklärte Ladislav Smejda von der Universität für Lebenswissenschaften in Prag. Manche Elemente sind an solchen Orten im Vergleich zur Umgebung stark angereichert, so der Forscher. Einstige "Leichenäcker" hätten daher ganz spezielle Böden. "Selbst nach langer Zeit haben ehemalige Gräber daher einen anderen Bewuchs als die Umgebung und sind dadurch von der Oberfläche aus zu erkennen", erklärte er.

Auch einstige Kriegsschauplätze bieten den Pflanzen und Tieren besondere Umweltbedingungen, sagte Remi De Matos Machado von der Universität Paris-Diderot. Zum Beispiel am Schlachtfeld von Verdun, wo sich die Deutschen und Franzosen im Ersten Weltkrieg eine der grausamsten und verlustreichsten Gefechte der Geschichte lieferten, wurde die Landschaft durch das Anlegen von Schützengräben, Unterständen und Kanonenstellungen sowie wegen der Einschlagskrater von Granaten stark verändert.

Diese Geländeformen bieten heute verschiedenen Tieren und Pflanzenarten Schutz und sind oft wasserbeflutet. Dadurch entstanden kleine Feuchtgebiete mit Nässe liebender Fauna und Flora, die in der Umgebung sonst nirgendwo vorkommen. (APA, 26. 4. 2017)

    Share if you care.