Miesmuscheln sind für saurer werdende Meere gewappnet

29. April 2017, 11:00
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Forscher stellten bei mehrjähriger Untersuchung fest, dass die beliebten Speisemuscheln dem niedrigen pH-Wert trotzen können

foto: apa/dpa
Hat zumindest auf einem Teller jeder schon einmal gesehen: eine Miesmuschel.

Kiel – Miesmuscheln – vom Essen beim Italiener sind sie uns als "Cozze" bekannt – sind den Herausforderungen des Klimawandels bislang offenbar gewachsen: Das berichten deutsche Wissenschafter im Fachmagazin "Science Advances". Dem Muschelnachwuchs gelinge es auch in saurer werdendem Meerwasser nach wie vor erstaunlich gut, die lebensnotwendigen Kalkschalen auszubilden, wie ein dreijähriges Projekt der Meeresbiologen zeigte.

Das "Versauerung der Meere" genannte Phänomen macht Ökologen Sorgen. Steigt in der Atmosphäre der Kohlendioxidgehalt, nimmt die Konzentration des Gases auch in den oberflächennahen Wasserschichten zu. Der pH-Wert des Wassers sinkt. Das bedroht viele Meereslebewesen, weil der niedrige pH-Wert die Bildung von Kalkstrukturen – wie etwa Muschelschalen – beeinträchtigt. Seit Beginn der Industrialisierung hat die Versauerung der Ozeanoberfläche nach Angaben des Weltklimarats schon um 26 Prozent zugenommen.

Mehrjährige Untersuchung

Für die Miesmuschel gab das Team um den Meeresbiologen Jörn Thomsen vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kielgaben nun aber vorerst Entwarnung. Untersucht wurden zwischen 2012 und 2014 Gemeine Miesmuscheln (Mytilus edulis) über drei Generationen sowie in zwei Lebensräumen: der Kieler Förde in der Ostsee mit zeitweise hohen CO2-Konzentrationen sowie vor Sylt in der Nordsee mit stabileren Verhältnissen.

foto: thomsen et al.
Teil des Zooplanktons: eine Miesmuschellarve. Die rote Linie markiert den maximalen Schalendurchmesser von 120 Mikrometern.

Die Ostsee-Miesmuscheln erwiesen sich durchaus als fit, bilanziert Thomsen. "Auf lange Sicht kann man sagen, dass sie sich offensichtlich den Bedingungen anpassen. Die Kieler (Muscheln) waren relativ tough." Im Vergleich zu den Sylter Muscheln konnten die Kieler Artgenossen im Larvenstadium den sogenannten Kalzifizierungsprozess besser gestalten und so die ungünstigeren Umweltbdingungen ausgleichen, berichten die Forscher. Wie den Tieren das gelang, ist aber noch unklar.

Das ist nicht nur für Meeresfrüchte-Freunde von Belang, denn Miesmuscheln haben mehr als nur wirtschaftliche Bedeutung. Sie sind auch ökologisch unter anderem deshalb wichtig, weil sie das Wasser filtern. Zudem sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für die verschiedensten Tierarten: Ihre Larven werden als Teil des Planktons unter anderem von Quallen und Fischlarven gefressen. Ausgewachsene Muscheln wiederum werden unter anderem von Seesternen und Möwen "abgeerntet". (APA, red, 29. 4. 2017)

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