Blaue Fake-News auf Kärntnerisch

27. April 2017, 10:00
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Eine FPÖ-Politikerin soll mit einem verdeckten Facebook-Account wilde Beschimpfungen gegen politische Gegner und Van-der-Bellen-Wähler vom Stapel gelassen haben

Klagenfurt – Unter dem Facebook-Account namens "Emanuel" und dem – aus dem Netz kopierten – Profilbild eines jungen Mannes soll die Kärntner FPÖ-Politikerin Birgit Zemasch wilde Attacken gegen politische Gegner und Van-der-Bellen-Wähler geritten haben. Ein anderen Facebook-User – laut STANDARD-Informationen ein ihr nicht gesonnener Parteifreund – hat die Politikerin nun aber mit einem makabren Streich bloßgestellt. Er gab sich in einer Mail an Zemasch als Vater des auf dem Foto abgebildeten jungen Mannes aus und behauptete, sein Sohn sei verstorben und er verlange, dass das Bild, das Zemasch missbräuchlich als Profilfoto verwende, gelöscht werde.

Die FPÖ-Chefin des Kärntner Bezirks Klagenfurt-Land zeigte sich in einer Antwortmail einigermaßen zerknirscht. "Bitte Sie vielmals um Entschuldigung und darf Ihnen mein aufrichtiges Beileid aussprechen." Wie dieses Bild auf ihr Facebook-Profil gelangen konnte, sei ihr unerklärlich, sie habe jedenfalls die Löschung des Bildes, das mit ihrer IP-Adresse verknüpft gewesen war, veranlasst, antwortete die Politikerin dem vermeintlichen Vater.

Seither ist auch das gesamte "Emanuel"-Konto verschwunden, auf dem wilde Beschimpfungen gegen politische Gegner und Van-der-Bellen-Wähler zu lesen waren.

"Grenzdebil"

Da war von "grenzdebilen" Van-der-Bellen-Wählern die Rede, die nicht mehr zurechnungsfähig seien, eigene missliebige FPÖ-Politiker wurden ebenso durch den Kakao gezogen wie der Kärntner SPÖ-Landeshauptmann Peter Kaiser, dem der Facebook-User "Emanuel" vorwarf, dass "unser Land Kärnten slowenischer wird". Kaiser spreche von Identität und Heimat, "und das auch noch auf Slowenisch", empörte sich "Emanuel". In dieser Tonart lesen sich auch die anderen Eintragungen.

Die FPÖ-Politikerin Zemasch kann sich das alles nicht erklären, sie habe keine Ahnung, wieso das Profil des "Emanuel" ihr zugeordnet worden sei. Außerdem, so etwas würde sie niemals schreiben, sagte sie im STANDARD-Gespräch, sie habe "eh" ein eigenes Facebook-Konto. Tatsächlich geht es dort um einiges schaumgebremster zu.

Zemasch hat inzwischen eine Erklärung, warum sie mit dem Hassposter "Emanuel" in Verbindung gebracht wird: "Es ist keiner aus der FPÖ und auch nicht ich. Ich glaube, das ist ein Fake, und irgendjemand will mir übel mitspielen. Ich glaube, ein Linker hat es auf uns abgesehen."

In einem anderen, ähnlich gelagerten Fall, jenem des Villacher SPÖ-Stadtrats Andreas Sucher, hat es übrigens klare Konsequenzen gegeben. Sucher hatte sich in anonymen Postings über politische Gegner ausgelassen und musste zurücktreten. (Walter Müller, 27.4.2017)

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