Südkorea: US-Raketenabwehr wird Wahlkampfthema

26. April 2017, 14:26
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Moon Jae-in, Favorit bei der Präsidentenwahl am 9. Mai, kritisiert die Thaad-Stationierung

Seoul/Peking – Die chinesische Regierung hat den beschleunigten Aufbau eines US-Raketenabwehrsystems in Südkorea massiv kritisiert. Sie forderte die USA und Südkorea am Mittwoch auf, das System zurückzuziehen. Auch in Südkorea stieß der Beginn der Arbeiten auf Proteste.

Moon Jae-in, Favorit für die am 9. Mai anstehende südkoreanische Präsidentenwahl, forderte, die Stationierung auszusetzen und die Entscheidung darüber der neuen Regierung zu überlassen. Angesichts der verstärkten Spannungen im Konflikt mit Nordkorea begannen die USA und die südkoreanische Regierung früher als erwartet damit, Teile des Thaad-Abwehrsystems zum 250 Kilometer südlich von Seoul gelegenen Standort zu bringen. US-Präsident Donald Trump wollte im Lauf des Tages den gesamten Senat über seine Nordkorea-Strategie informieren.

China besorgt

China habe den USA seine ernsten Bedenken mitgeteilt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. Die chinesische Regierung trägt zwar die UN-Sanktionen gegen Nordkoreas Atomprogramm mit, befürchtet aber, dass die US-Raketenabwehr mit ihrem weitreichenden Radar China ausspähen soll. Zudem ist es besorgt, dass die Stationierung das Sicherheitsgleichgewicht in der Region zerstöre.

Auch Russland wandte sich gegen die Stationierung des Waffensystems Terminal High Altitude Area Defense (Thaad). Es soll Kurz- und Mittelstreckenraketen abwehren und diese auch außerhalb der Erdatmosphäre zerstören können. Die USA und Südkorea hatten im vergangenen Jahr die Stationierung vereinbart, um damit der Bedrohung durch nordkoreanische Raketen zu begegnen. Es soll nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums bis Ende des Jahres einsatzbereit sein.

Proteste in Südkorea

Gegen das Eintreffen der ersten Bauteile auf einem ehemaligen Golfplatz in Seongju-gu demonstrierten mehrere hundert Anrainer, die sich Sorgen machen, durch die umstrittene Stationierung zum Ziel nordkoreanischer Angriffe zu werden.

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Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie sie die Transportfahrzeuge mit Wasserflaschen bewarfen. Laut Agenturberichten wurden bei dem anschließenden Polizeieinsatz mindestens zehn Demonstranten verletzt, mehrere erlitten Knochenbrüche.

Auf diesem ehemaligen Golfplatz soll das Abwehrsystem stationiert werden.

Präsidentschaftskandidat Moon Jae-in ließ erklären, mit der Entscheidung werde die öffentliche Meinung ignoriert. Erst nach einer breit geführten Debatte und weiteren Beratungen mit den USA solle eine Entscheidung über das Raketenabwehrsystem getroffen werden.

Der Konflikt um Nordkorea hatte sich zuletzt verschärft. US-Präsident Trump hat angekündigt, härter gegen das nordkoreanische Atomprogramm vorzugehen als sein Vorgänger Barack Obama, und auch einen Militärschlag nicht ausgeschlossen. Er entsandte kürzlich einen Marine-Kampfverband mit einem Flugzeugträger in die Region.

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Nordkorea-Experte Rüdiger Frank in der "ZiB".

Zudem lief am Dienstag das mit 150 Tomahawk-Marschflugkörpern bewaffnete US-Atom-U-Boot USS Michigan in einem südkoreanischen Hafen ein. Trump hat für Mittwoch alle 100 Senatoren ins Präsidialamt geladen, um ihnen seine Nordkorea-Strategie zu erläutern. Anschließend sollen Regierungsvertreter das Repräsentantenhaus informieren. (red, Reuters, 26.4.2017)

  • Nur unter massivem Polizeischutz war es möglich, die Bestandteile des Raketenabwehrsystems an ihren vorgesehenen Standort zu bringen.
    foto: reuters

    Nur unter massivem Polizeischutz war es möglich, die Bestandteile des Raketenabwehrsystems an ihren vorgesehenen Standort zu bringen.

  • Präsidentschaftskandidat Moon Jae-in kritisiert die Stationierung.
    foto: reuters/yonhap

    Präsidentschaftskandidat Moon Jae-in kritisiert die Stationierung.

  • In Nordkorea werden derweil Artilleriemanöver abgehalten.
    foto: ap/krt

    In Nordkorea werden derweil Artilleriemanöver abgehalten.

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