Hohe Werte an radioaktivem Wasserstoff nahe AKW Mochovce

26. April 2017, 12:04
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Global 2000 fordert Entzug der Betriebserlaubnis für das Kernkraftwerk

Bratislava/Wien – Von Global 2000 aus einem Fluss nahe dem slowakischen AKW Mochovce entnommene Proben haben hohe Werte an Tritium, einem radioaktiven Wasserstoff, ergeben. 1.347 Becquerel entsprechen dem 13-fachen Grenzwert für Trinkwasser, kritisiert Global-2000-Atomsprecher Reinhard Uhrig. Er fordert den Entzug der Betriebserlaubnis für das 100 Kilometer von Österreich entfernte Kernkraftwerk.

31 Jahre nach dem Super-GAU von Tschernobyl hätten die Menschen wider Erwarten noch nichts gelernt, sagte Uhrig bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. Obwohl AKWs "die unangenehme Eigenschaft haben, in die Luft zu fliegen", sollen 2018/19 zu den beiden bereits in Mochovce in Betrieb befindlichen Reaktoren zwei weitere ans Netz gehen. Dabei handle es sich um Modelle älterer russischer Bauart, die nicht mehr "state of the art" seien.

Entsorgung über Fluss

Bereits jetzt werde offenbar mehr Tritium freigesetzt als erlaubt: In dem kleinen Fluss Hron werde das Abwasser des AKW entsorgt. Der Jahres-Mittelwert dürfe 1.000 Becquerel pro Liter nicht überschreiten, was ohnehin viel zu hoch sei und durch den nun durchgeführten Test zusätzlich infrage zu stellen sei. Denn die AKW-Betreiber würden die Messungen selbst durchführen, sich also selbst kontrollieren, wobei die angegebenen Werte im Bereich von fünf bis acht Becquerel liegen würden. Das Flusswasser werde zwar nicht zum Trinken verwendet, aber in dem kleinen Stausee würde, auch von Schwangeren und Kindern, gebadet und gefischt.

Unterschätzte Gefahr

Laut dem deutschen Kinderarzt im Ruhestand Winfrid Eisenberg würden die Gesundheitsgefahren von Tritium generell unterschätzt. Laut einer deutschen Kikk-Studie (Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken) steige das Krebsrisiko für unter Fünfjährige in einem Fünf-Kilometer-Radius um Atomkraftwerke um 60, das Leukämie-Risiko sogar um 100 Prozent.

Uhrig forderte einen verantwortlichen Umgang mit radioaktiven Stoffen und zumindest Messungen bei Fischen in der Gegend um Mochovce. Zudem sei die Betriebserlaubnis zu entziehen, bis geklärt sei, ob der Grenzwert von 1.000 Becquerel laufend überschritten wird. Eine von Spenden getragene Organisation wie Global 2000 könne dies nicht finanzieren. Außerdem sollten unabhängige technische Kontrollen der bestehenden Reaktoren durchgeführt werden. Man werde Druck auf die slowakischen Behörden ausüben, erhofft sich aber gleichzeitig, dass Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sich für die Sicherheit in Zentraleuropa ein- und die Forderungen durchsetzt. (APA, 26.4.2017)

  • Das Atomkraftwerk Mochovce liegt rund 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.
    foto: afp photo / vladimir simicek

    Das Atomkraftwerk Mochovce liegt rund 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.

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